Vorwort: Diese Chronik wurde von dem damaligen Dorflehrer A. Reußwig erstellt. Bei der hier veröffentlichen Chronik handelt es sich um eine komplette Abschrift des Originals, das uns von der Familie Reußwig zur Verfügung gestellt wurde. Eventuelle Fehler die sich beim Übertragen eingeschlichen haben bitten wir zu entschuldigen.                         

Uwe Stein, Ortsvorsteher 

 

Inhaltsverzeichnis:

Zum Geleit

Vom Werden Lingelbachs

Von der Herkunft der ersten Siedler

Vom Namen Lingelbachs

Von den Bodenerträgen

Von der Viehzucht in Lingelbach

Von der gemeindebehördlichen Sorge um die Viehzucht im vorigen Jahrhundert

Die sozialen Verhältnisse der Einwohner Lingelbachs um 1775

Aus dem Leben des Lingelbacher Schankwirtes

Die Bauernbefreiung in Lingelbach

Die Ablösung der Servihutberechtigungen

Wie die Pfarrdienste entstanden sein sollen

Das Lingelbacher Feuerlöschwesen im 19. Jahrhund

Die Einbürgerung in Lingelbach

Unsere Bauernhöfe

Allgemeines

Dechersch

Weenersch

Braunes

Dippels

Spuns

Pauls

Freresch

Vettersch

Nolles

Bergs

Petersch

Viedusch

Gemmersch

Päwels

Weerts

Riffersch

Heerdts

Holles

Steens

Korisses

Perrersch

Eydts

Kaspersch

Die drei Konröder Höfe

 

 Allen Lingelbachern
den Toten zum Nachruhm
den Lebenden zum Beispiel
den Zukünftigen
als Verpflichtung

Der Verfasser

                           A. Reußwig

 

Zum Geleit

 

Bauernfaust und Bauerngeist,
ob man selten sie auch preist,
find des Staates Quell und Macht,
wohl dem Staat, der dies bedacht.

@

 

Die Männer, die das Feld bebauen
Und alle Welt ernähren,
den wackren Männern soll man trauen,
sie halten hoch in Ehren.

@

 

Oh haltet eure Scholle wert
Und bleibet treu dem Lande!
Der üble Dunst der Städte zehrt
Und lockert alle Bande.

Keucht auch in Arbeit eure Brust,
es stählt und gibt euch Dauer.
Jedweder rufe stolz bewusst:
Ich bin ein deutscher Bauer!

                                                                                                                                Schulte von Brühl

@

 

Du bist in ernstem Amt und harter Mühe
den Wechsel doch, des Jahres rege Zeiten,
du hast des Mittags hochgespannte Weiten,
den Abendstern, das Leuchten in der Frühe.

Und wer berufen, dass er Leben ziehe
aus ewigem Grund, um Leben zu verbreiten,
der ist gesegnet, und sein Wort begleiten
Gebete aller, denen es erblühe.

Oh wirke fort in alter Bauernwürde
und Bauernpflicht! In Stolz und Demut künde
dich als den mächtigsten der Artgetreuen!

Soll deutsche Größe jemals dich erneuern,
dann nimm die edelste, die schwerste Bürde,
sei du der Fels, auf dem ihr Tempel gründe!

                                                                                                                                    Walter Zickler (1924)

@

 

Vom Werden Lingelbachs

 

Nur spärlich fließen die urkundlichen Quellen aus der Frühzeit unseres Dorfes. Soweit es urkundlich erwähnt wird, geschieht das nicht um seiner selbst willen, sondern stets im Dienste anderer Zielsetzung, also gewissermaßen am Rande.

Jene Urkunden vermögen deshalb lediglich der mittelbaren Beweisführung Fingerzeige und Richtpunkte zu geben, sie zu leiten, sie ergänzen, sie bestätigen

Der mittelbaren Beweisführung bietet sich als erster Hinweis der Dorfname an. Durch seine Endung weist er in die so genannte fränkische Siedlungsperiode zurück, die in die Zeit von 500 bis 800 nach der Zeitrechnung. In ihr sind die meisten Orte, deren Namen das Grundwort „Bach" enthält, entstanden. Die Tatsache, dass Lingelbach ein Lehensgut besaß, lässt folgern, dass es in grundherrlicher, d.h. in karolingischer Zeit entstand. Damit rückte die Entstehungszeit Lingelbachs an das Ende des genannten Zeitraumes, wenn nicht gar, wie es die weiteren Ausführungen werden erkennen lassen, in den Anfang des 9. Jahrhunderts. Da seine erste urkundliche Erwähnung im Zusammenhang mit dem Kloster Fulda erfolgt, dürfte dieses Kloster Siedlungsträger gewesen sein. Es lässt sich als wahrscheinlich vermuten, dass unserer Boden in karolingischer Zeit, vielleicht auch schon zu fränkischer Zeit Königsgut, Königsland wurde und später von einem der Karolinger – manches spricht für Ludwig den Frommen dem Kloster Fulda zu Lehen gegeben wurde. Seine früheste urkundliche Erwähnung findet unser Dorf im 9. Jahrhundert. Damit steht fest, dass es zwischen 800 und 900 schon entstanden war und dass es nicht jüngeren Ursprungs ist.

Mancherlei Umstände berechtigen zu der Annahme, dass die Gründung nach der damaligen Regel verlief. Ein Lehensgut deutet auf einen vom Grundherrn Beliehenen hin. Er dürfte der von ihm beauftragte Anführer der Bauern und sein bevollmächtigter Vertreter sein. Eine Entschädigung durch Überlassen eines Gutes war die zeitgemäße Entlohnung Bediensteter, die Erbleihe spannte den Sohn des jeweiligen Inhabers ein und sicherte dem Grundherrn stete Vertretung seiner Rechte gegenüber den Bauern. In der Bevölkerung lebte der Vettersche Hof unter dem Namen „Im Hof" weiter. Er gehörte zwar weder im herkömmlichen Land- noch im Gebäudebestand zu dem Lehensgut. Die Lage Lingelbachs an einem alten Heer- und Reiseweg schließt durchaus die Möglichkeit ein, dass es sich um einen Königshof handelt. Die Geräumigkeit seiner Anlage unterscheidet ihn noch heute von den meisten des Dorfes. Er durfte dann auch die Zehntscheuer enthalten haben.

Der Beliehene scheint also der Anführer der Siedler gewesen zu sein. Zur Frage nach deren Anzahl drängen sich folgende Tatsachen auf.

In Lingelbach gab es früher u.a. Erbbauern und Erbköttnerland. Zwischen beiden besteht hinsichtlich der dinglichen Lasten der Unterschied, dass die Erbköttner, das sind die Inhaber von Köttnerland, im Gegensatz zu den Bauern , das sind die Inhaber von Erbbauernland, dem Grundherrn nicht spann -, wohl aber und zwar im besonderen Maße handfronpflichtig sind. Außerdem ist im Regelfall ein Bauerngut mit Zugkraft besser versorgt. In ihnen scheint also die längere Tradition, die wirtschaftliche Kraft vieler Generationen zusammengefasst zu sein. Sie scheinen die Älteren zu sein. Das lässt sich auch aus der Benennung schließen. Köttner unterscheidet sich wohl nur durch die Willkür des Schreibens von Köttner. Köttner ist sinn- und vorstellungsgleich mit Kätner. Ein Kätner bewohnte eine Kate. Eine Kate aber hieß ein Haus, zu dem kein Grundbesitz gehörte. Die Köttner waren also wohl Nachkommen von ursprünglich grundbesitzlosen Vorfahren. Das Erbköttnerland ist wohl das Land, das von den Köttnern urbar gemacht und ihnen erbtümlich überlassen wurde. Zu Beginn dürften die Köttner die Landarbeiterschaft und das Handwerkertum repräsentiert haben. Noch für 1780 ist urkundlich bezeugt, dass die meisten von ihnen neben der Landwirtschaft einen meist handwerklichen Nebenberuf ausübten. Ihr Land scheint einer zweiten, das Bauernland der ältesten Kultivierungsperiode zu entstammen.

1780 wird das Bauernland bewirtschaftet in 4/1, 10/2 und 5/4 Erbbaugütern. Die halben Güter sind durch einfache, die Viertelbauerngüter durch mehrfache Teilung aus ursprünglich ganzen Bauerngütern hervorgegangen, deren Ausgangszahl also 11 betragen hat. In zeitraubender und Gedulderheischender Arbeit ist mir der Nachweis der ursprünglichen Wirtschaftseinheiten geglückt. Aus diesem Nachweis ergibt sich die im weiteren Verlauf auszusprechende Folgerung über die Auf- und Einteilung des Landes.

Hier sei zunächst festgehalten:

Die Zahl der ersten Siedler betrug 11 und 1 Anführer. Der Ortsschreiber von 1850, der damalige Pfarrer, glaubt ein Recht zu haben zu der Annahme, dass die ersten Siedler ihr Land in drei verschiedenen Lagen erhalten hätten, so dass der einen Lage die Wiesen gegenüberlagen. Der Zuteilung von Wiesen war schon durch die Lage und Anzahl der verfügbaren Wiesen eine Grenze gezogen. Noch heute liegen die Wiesen in Senken und Achen, d.h. dort, wo man Ackerland wegen des hohen Grundwasserstandes nicht schaffen konnte. Man konnte wohl die vorhandenen Wiesen gleichmäßig verteilen, nicht aber jeden mit seiner dritten Ackerlage benachbarn.

Es ergibt sich vielmehr folgendes Bild über die ursprüngliche Fluraufteilung:

Man teilte die Gemarkung in zwei halbkreisförmig um das Dorf gelagerte Bogen in ungefähr Ost-Westrichtung. Der eine Bogen, den ich im folgenden kurz den Morgenbogen nennen will, begann an einem über die Aspen verlaufenden Weg und umspannte das Feld im Osten, Nordosten, Norden und Nordwesten des Dorfes und endete am Konroder Weg.

Der zweite, von mir kurz Abendbogen genannt, umschloss von diesem Weg an den Westen, Südwesten, Süden und Südosten, um im Osten Anschluss an den Morgenbogen zu gewinnen.

Den Morgenbogen teilten vier Siedler, und sie teilten sich auch die in oder an ihn liegenden Wiesen einschließlich Erbwieserheide und Schwarzwasser.

Zu vier Gütern des Abendbogens gehörten die Wölmach, die Lingelbach, das Elkerod und der lange Grund als Wiesen. Vier Güter hatten in Land- und Wiesenbestand Mischlage, d.h., sie hatten Grundbesitz im Morgen- und Abendbogen (4+4+4 = 12 = 11 Bauern- und 1 Lehensgut).

Innerhalb dieser Bogen lassen sich nun meistens je drei Felder oder Lagen abgrenzen.

Im Morgenbogen umfasste:

Feld 1 alle Ländereien zwischen Aspenweg und Straße,

Feld 2 alle Ländereien zwischen Straße und Ottrauer Weg,

Feld 3 alle Ländereien zwischen Ottrauer Weg und Konroder Weg.

Zu Feld 1 zählten also die Flurlagen

Am Gericht

An der Straße

Biracker

Aspen

(altes Kartenblatt A)

Zu Feld 2

Höllmannsgrube

Katzenrück

Auf den Wüsten

Der schwarze Hobel

(altes Kartenblatt B)

Zu Feld 3

Bärenhaus

Bieden

(altes Kartenblatt C)

Im Abendbogen wurden begrenzt:

Feld 1 von Konroder- und dem Heideweg. Es umfasste

Vorm Hemberg

An der Alsfelder Straße

Am Heidweg

Vor dem Kohlstück

(altes Kartenblatt E)

Feld 2 lag zwischen Heidweg und Lauterbacher Weg und umfasste

Wölmach

Lückert

Hesseln

Elkeroth

(altes Kartenblatt D)

Feld 3 lag zwischen Lauterbacher Weg und Aspenweg und umfasste

Langen Grund

Romanei

(altes Kartenblatt A)

Die genannten Gemarkungsteile dürfen wir uns nun nicht in ihrem heutigen Zustand vorstellen. Bei Beginn der Besiedlung dürften sie mit Wald bedeckt, zum mindesten mit Wald weitgehendst durchsetzt gewesen sein. In den Achen dürfte Buchenwald gestanden haben und vielleicht träfe der Flurnamen Elkeroth in der Schreibform Erlgerod oder Ellerngerod den einstigen Kulturzustand besser. An den anderen Stellen scheinen lichte Waldbestände Höhenrücken begrünt zu haben, so heißt es früher "am" Aspen. Das Verhältniswort dürfte darauf hinweisen, dass es sich um an einem Espenbestand gelegenes Land handelt.

Der Flurnamen "Birkacker" spricht durch sich.

1750 werden noch zahlreiche Triesche aufgeführt. Unter ihnen haben wir uns wohl Weiden mit lichtem Baumbestand vorzustellen.

Außerdem lagen zwischen dem Kulturland Ödlandparzellen, die als "Huten" katasteresiert sind.

Die Flurnamen "auf dem Wüsten" und "am Heidweg" nennen wohl die Gemarkungsstelle, die ursprünglich als geschlossene Ödlandflächen brachlagen.

Die Gewinnung des nach der ersten Siedlungsperiode verbliebenen Ödlandes dürfte zum großen Teil Köttnerwerk sein. Nach ihrer sozialen Stellung waren sie Handfroner, nahmen aber am Spanndienst für den Pfarrer teil. Merkwürdig ist nun, dass 33 Köttner dienstbar sind. Die Zahl 33 dürfte also ihre anfängliche Anzahl nennen. 33 ist 3 x 11, d.h. es sind dreimal mehr Köttner als Bauern vorhanden. 11 Bauern und 33 Köttner!

Ich vermag nicht an einen Zufall zu glauben. Sollte nicht jeder Bauer ursprünglich 3 Köttner gehabt haben? Sollte da zwischen Bauern und Köttnern einmal eine Übereinkunft hinsichtlich der Dienste getroffen worden sein? Ich könnte mir vorstellen, dass die spannfähigen Bauern dem nicht spannfähigen Köttner bei der Urbarmachung des obigen genannten Ödlandes durch Gespann- und Geschirrleihe behilflich waren und dass die Köttner dafür die ursprünglich auf Bauernland ruhenden Handdienste übernahmen. Praktisch änderte sich für sie nichts, denn sie werden die Handfron vorher für die Bauern als deren Arbeiter oder Beauftragte ausgeführt haben. Doch hatte die mutmaßliche Vereinbarung die Rechtskraft, dass die Handfron als Last auf Köttnerland überging. Die Spannfron für den Pfarrer kam erst später auf und wurde von ihnen und den Bauern gemeinsam übernommen. Über den Ursprung der Pfarrdienste wird in einem besonderem Kapitel berichtet.

Das von den Köttnern gewonnene Land liegt in allen Gemarkungen und Flurteilen. Doch sind auch die Köttnergüter wie die Bauerngüter in bestimmten Richtungen gelegen. Es ließe sich wahrscheinlich aus der Lage der Häuser und Äcker noch ermitteln, mit welchem Bauernhof die Köttner ursprünglich in Arbeitsverbindung standen, welchem Bauerngut sie zugehörten.

Auch dem Fleiß der Köttner gelang es nicht, der Gemarkung ihr heutiges Gesicht zu geben. Es gibt eine dritte Gruppe Land: das Rottland. Es ist dienstfrei, aber mit der 11. Garbe an die Freiherren von Dörnberg belastet. Diese Sonderstellung zu ergründen, ist nicht leicht. Es wäre denkbar, dass der Name eine andere Leseart für Rodland darstellt und es erst nach Übernahme der Grundherrschaft durch die von Dörnbergs gerodet wurde, mit Diensten also nicht belastet war.

Wahrscheinlicher dünkt mir, dass es einen Rest Alimente darstellte, der Rottenbesitz war. Es ist sonst nicht recht erklärbar, mit welchem Recht der Gemeindevorstand einen Bauern maßregelt, der sein Rottland ohne Genehmigung - also eigenmächtig - im Kulturzustand veränderte. Der Auszug aus dem Protokoll sein am Ende dieses Kapitels unter Nachtrag 1) mitgeteilt. In diesem, d.h. im letzt angenommenen Fall dürfte das Rottland allerdings hohen Alters sein und sich deshalb der Dienstfreiheit erfreuen, weil es Gemeindegut war.

Um 1800 lagen noch immer zahlreiche Ländereien wüst. Ihre Erschließung erfolgte im vorigen Jahrhundert, doch ist selbst die derzeitige Generation an der Ackergewinnung beteiligt. Sie hat sich durch die Rodung des "Wäldchens", des Rodlandes am Görzhainer Weg, des Tannackers, des Gemmeschen Landes an der Berfaer Straße nach Väterart am Kampf gegen den Wald beteiligt und sich in dem gewonnenen Boden ein ehrendes Denkmal gesetzt.

 

Von der Herkunft der ersten Siedler

 

Die Antwort auf die Frage der ersten Siedler ist kaum noch eindeutig lösbar. Manche Umstände sprechen dafür: Von Berfa könnten sie gekommen sein, weil es älter ist als Lingelbach. auch der Flurname "Bärenhaus" enthält nach folgenden Gedankengängen einen Hinweis auf Berfa:

Zweifelsohne ist er falsch verhochdeutscht. In der Mundartform lautet er Beenhuus. Im alten Kataster lautet er zwar auch Bärenhaus, wird aber stets mit einem Verhältniswort, je nach der Ackerlage "am" oder "vorm" Bärenhaus gebraucht. Der Orientierungspunkt lag demnach außerhalb der Flur. Er dürfte in den noch heute vorhandenen drei Hünengräbern, den Beinhäusern, vermutet werden. Dem scheint der Gebrauch der Einzahl zu widersprechen, doch findet sich in alten Akten gelegentlich auch die Mehrzahlform. Vielleicht hat aber die Ackerkultur ein ursprünglich in unmittelbarer Nähe der Flur vorhandenes Grab eingeebnet.

Das Grab, das Beenhuus, muss denen allgemein bekannt gewesen sein, die eine Flur nach ihm benannten, entsprang doch die Flurbezeichnung keinem wissenschaftlichen oder irgendwie theoretischen Interesse, sondern allein dem praktischen Bedürfnis eindeutiger Verständigung.

Der Bauer musste beispielsweise seinem Knecht das Ziel einer Fahrt unmissverständlich angeben können. Man konnte sich stets nur nach allgemein bekannten Merkmalen orientieren. Es müssen also die Beinhäuser oder ein Beinhaus in jeder Zeit allen bekannt gewesen sein. Das Dorf, wenn auch zur Zeit nicht feststeht, ob es sich um Gräber einheimischer Leute d.h. um die Ahnen der Berfaer Bevölkerung handelt, am ehesten von Berfaern angenommen werden, die wahrscheinlich gegendkundig genug waren, die Gräber nie zu verfehlen.

Der zweite Flurnamen, der zu denken gibt, sind die Lieden. Auch er ist falsch verhochdeutscht. Mundartig heißt die Flur Biere, und diese Form, in der das e leicht anklingt, hat klang- und schriftbildliche Ähnlichkeit mit dem französischen búrc für Bahre. Bahre aber gehört in den Vorstellungskreis tragen und ist verwandt mit der Endsilbe bar, die ja auch tragen, erregen, hervorbringen bedeutet. Die Bieren wären also die tragenden, die fruchtbringenden Äcker der Gemarkung gewesen. Darum bevorzuge ich die alte Katasterbezeichnung "die Böden" gegenüber der heutigen Form. Vielleicht träfe Böde den ursprünglichen Vorstellungsinhalt am genauesten. Nun fällt auf, dass man schlichtweg "die" Biere sagt und sie nicht durch ein Beifügung - etwa die tote Biere oder ähnlich von anderen Fruchtböden unterscheidet. Ich glaube nicht an eine zufällige oder gedankenlose Sprachform. Die Biere mögen vielmehr eine Zeit lang die einzigen, mindest aber die einzigen den Anbau lohnenden Fruchtauen Lingelbachs gewesen sein. Als ihnen andere Flurteile diesen Rang streitig machten, waren Namen und Ortsvorstellung im Bewusstsein aller Lingelbacher so fest miteinander verknüpft, dass Missverständnisse ausgeschlossen waren.

Die natürliche Güte des Bodens widerstreitet dieser Annahme nicht. Die Lage der Bieden zu Berfa aber ist so, dass ihre Urbarmachung von Berfaer Siedlern in Arbeitsgemeinschaft mit der Sippe von der alten Hofstelle in Berfa hätte erfolgen können. Das hätte dann zukünftigen Neubauern zunächst die Belastung durch ein eigenes Gespann und Gerät, durch fremde Hilfskräfte erspart und ihm die Existenzsicherung vor der Übersiedlung ermöglicht.

Endlich bestand bis zur Zusammenlegung Verbindung durch einen Flusspfad mit dem Bechtelsberg. Ein wirtschaftliches Land zum Bechtelsberg ist nicht nachweisbar und bei der ursprünglich verschiedenen Verwaltungszugehörigkeit beider Orte auch nicht annehmbar. Es dürfte nie etwa Marktgenossenschaft bestanden haben. Der Pfad dürfte also nicht bäuerlichem Bedürfnis gedient haben. Er könnte aber - und das ist in der frühchristlichen Zeit durchaus möglich - in kultischer Gemeinschaft mit dem Bechtelsberg seinen Ursprung haben. Für fuldische Zugehörigkeit spricht auch noch der geübte Brauch des Hexenschnappens.

Nun beweist aber erwiesene Kultgemeinschaft mit dem Bechtelsberg noch keineswegs die Berfaer Abkunft der Siedler. Es sprechen im Gegenteil eine Reihe schwerwiegender Gründe dagegen:

Bei einer Besiedlung von Berfa her wäre die Fluraufteilung wohl kaum gleichzeitig und so regelmäßig erfolgt, als es nach dem vorhergehenden Kapitel der Fall war.

Die Frage der Existenzsicherung ist wahrscheinlich zu modern, um den Ausschlag zu geben. Die Befähigung zum Siedler war viel mehr durch Wagemut als durch berechnende Vorsicht gegeben.

Berfa ist in seiner Frühgeschichte nach Ottrau, d.h. hersfeldisch, Lingelbach fuldisch orientiert.

Eine Reihe Unterschiede zwischen dem Berfaer und Lingelbacher Durchschnittstyp ist nicht zu übersehen. Es sei hier nur auf die Differenz im körperlichen Durchschnittstyp hingewiesen. 1850 stellt ihn der Ortsbeschreiber so fest: "Die Lingelbacher Frauen sind nicht so schön als die im benachbarten Berfa oder Breitenbach."

Wenn man den noch heute beobachtbaren Unterschied der Frauentypen beider Dörfer mit obiger Feststellung in Beziehung bringt, dürfte für "schön" feingliedrig zu lesen sein. Tatsächlich hat Lingelbach einen Schlag derber, grobknochiger Frauen, die meist grau- oder blauäugig sind, während in Berfa unverkennbar ein kleiner, braunäugiger Einschlag herrscht. Wir wissen heute, dass der Erklärungsversuch des Ortsschreibers abwegig ist. Er glaubt, den Unterschied mit dem Mangel eines durchfließenden Wassers erklären zu können. Auf den ersten Blick ließe das vermuten, Lingelbachs Frauen seien damals wenig reinlich gewesen.

Ein solcher Mangel der Frauen hätte zweifelsohne auf die zeitgenössischen Männer abgefärbt. Die werden aber ausdrücklich von diesem Urteil ausgenommen und als schön bezeichnet, und auf die nachfolgenden Frauengenerationen bis heute eingewirkt. Ein Vergleich von Lingelbacher Hausfrauentugenden mit denen Berfas gibt keinen Anlass zu dieser Annahme. Der Ortsbeschreiber traut vielmehr dem Wasser einen Umwelteinfluss zu, den wir ihm nach dem Stand der Umweltforschung keinesfalls zuerkennen dürfen.

 Der beobachtbare Unterschied ist vielmehr vererbt. Da ein Teil der in Frage stehenden Frauen miteinander verwandt sind, ist der gemeinsame Typ vielleicht Erbe einer einzigen Ahnin. Es kann aber auch sein, dass er auf verschiedene blutsmäßige Herkunft der Bewohner beider Dörfer hinweist und dass die ersten Siedler Lingelbachs nicht Berfaer Abkömmliche waren.

Die Antwort auf die Frage nach der Herkunft der ersten Siedler Lingelbachs ist also zur Zeit nicht eindeutig zu geben. Manche Anhaltspunkte sprechen für gewichtige Gründe gegen Berfa als Heimat der ersten Lingelbacher. 

Vom Namen Lingelbachs

Allgemein wurde Lingelbach seither als das Dorf an dem Lindenbestandenen Bach angesprochen. Diese Namensdeutung stützt sich in erster Linie auf die Überlieferung, nach der auf dem Platz der heute "um de Ling" heißt, Linden gestanden haben sollen und gewinnt durch die Tatsache, dass die Linde mundartlich Ling heißt, an Glaubwürdigkeit. Und doch glaube ich nicht an ihre Richtigkeit denn:

Das Wasser, der Abfluss des alten Teiches, der an den Linden vorbeifloß, lebte im Bewusstsein der Lingelbacher so wenig als Bach, dass die Vorbeschreibung zum Kataster, von Lingelbacher Bauern verfasst, die Existenz eines Baches rundweg und die mehrfach genannte Ortsbeschreibung in dem im vorigen Kapitel erwähnten Zusammenhang verneint. Die Linden werden also wohl vorhanden gewesen sein, sie standen aber dann ja gar nicht an dem Wasserlauf, der als Bach galt. Vielmehr bildete jener Abfluss erst außerhalb des Dorfes den Bach. Grund zu der Annahme, dass nur in der Feldmark die Ufer des Baches so besonders stark mit Linden bestanden gewesen sein sollten, dass sie als auffälliges Merkmal dem Bach den Namen geben können, besteht nicht.

Aber selbst wenn wir jenen Abfluss, den man nicht als Bach wertete, als solchen gelten ließen, ist nicht ersichtlich, warum unser Dorf gerade Lingelbach genannt worden sein sollte. Linden gab es in jedem Dorf. Der Platz unter den Linden war in Lingelbach wie überall der Gemeinschaftsplatz auf dem man die dörflichen Feste, den Feierabend und Feiertag genoss. Irgendwie lag aber auch jedes Dorf an einem Wasserlauf. Zu jedem Dorf gehörten also Linden und Bach. Mit gutem Recht hätte sich also auch jedes Dorf Linden- oder Lingelbach nennen dürfen.

Bedeutungsvoller für die Namensdeutung scheint mir die Tatsache zu sein, dass Lingelbach früher als wasserarm galt. Man hatte sich im Dorf mit der Tatsache so sehr abgefunden, dass der Ortsbeschreiber - wohl auch ein wenig alttestamentarisch abergläubisch - von einer alle sieben Jahre auftretenden Wassernot orakelte. Ich bezweifle dabei keineswegs den Wassermangel. Nur dürfte er nicht an einen siebenjährigen Rhythmus gebunden gewesen sein. Der Wassermangel kostete die Lingelbacher sogar einen Teil ihrer Freizeit (s. Abhandlung über die Entstehung der Pfarrdienste). Selbst heute, nachdem er das Quellwasser des Pfaffenborns, die Entwässerung des Geländes um den alten Teich, darunter wohl das Quellwasser des Fosborns, aufnimmt und die Kanalisationswasser des Dorfes in ihn geleitet werden, wird dem Lingelbach sein flaches und schmales Bett nie zu eng.

Er mag früher im Sommer ganz versiegt, stets aber ein wasserarmes Bächlein gewesen sein.

Ihm fehlte jene wilde Bewegtheit, die die Menschen Wasserläufe als "Wasser" zu bezeichnen veranlassten. Er war ein gelinder Bach. Die Anwohner unseres Baches mögen sich als "am linden Bach" beheimatet gefühlt und auch Fremden gegenüber ausgegeben haben. So mag das Dorf "am linten Bach" zu seinem Namen gekommen sein, der als "Lintenbach" und "Lyndelbach" in alten Urkunden vorkommt.

Von den Bodenerträgen

Dem Kundigen verrät der geologische Aufbau der Gemarkung, dass der Boden an sich nicht besonders fruchtbar ist. Hinzu kommt die Ungunst des Klimas, das infolge der Höhenlage kalt und - gemessen an der Wasserbedürftigkeit - der Boden leicht und oft zu trocken ist. Der Lingelbacher Bauer wünscht sich sein Land deshalb oft 100 m tiefer gelegen und hat im Sommer am liebsten alle Wochen zweimal Regen. Aus 15jähriger Beobachtung der Niederschläge ergibt sich die folgende Tabelle. Sie gibt nacheinander die Niederschlagsmengen aus den Jahren 1919 bis 1933 an.

Niederschlags-Tabelle (Angaben in Millimeter)

Jan.

Febr.

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

27,7

36,1

44,6

50,0

15,3

55,8

59,6

47,1

35,9

30,5

47,1

72,6

109,8

21,7

32,3

49,7

60,5

29,1

135,0

64,3

64,5

16,1

7,2

41,1

54,9

12,2

7,6

13,0

53,4

43,1

37,8

-

18,1

27,1

33,5

67,3

56,3

63,7

34,0

68,6

21,0

59,6

74,7

69,6

54,9

55,4

64,0

47,0

34,1

44,7

42,0

26,8

88,6

89,9

42,0

36,6

37,9

161,3

29,9

21,3

21,7

19,7

15,9

40,6

118,7

42,5

53,1

82,2

27,3

31,1

47,5

30,1

44,2

28,8

29,2

28,0

38,1

33,3

109,6

38,0

62,4

20,4

49,3

69,8

86,3

51,0

29,3

43,1

32,6

44,9

118,9

44,8

25,3

93,5

47,7

30,9

55,6

24,4

42,6

55,6

51,6

88,6

110,8

114,5

83,6

12,2

71,0

39,9

28,6

51,0

18,3

96,7

47,3

27,2

62,0

60,5

44,1

73,0

89,6

31,3

19,6

21,2

7,0

41,6

30,5

41,9

46,9

23,1

39,6

74,7

31,7

63,1

21,3

14,8

33,8

51,4

51,5

37,6

109,4

54,3

71,9

36,5

103,7

34,6

70,1

26,9

19,0

48,8

39,8

85,3

68,5

107,0

77,9

42,1

22,4

39,2

33,7

19,2

18,9

65,5

128,2

66,7

55,0

76,3

102,6

122,3

41,9

8,9

35,4

35,9

27,5

12,5

39,6

187,3

46,8

60,9

35,0

32,4

43,9

13,7

Summe:

699,3

471,3

402,0

691,9

816,7

932,8

1130,1

879,2

781,0

728,3

730,4

630,8

Durchschnittlich:

46,62

31,42

26,8

46,12

54,44

62,18

75,34

62,8

52,06

48,54

48,7

42,05

Außer dem geringen Jahresdurchschnitt hat der Niederschlag den Nachteil ungünstiger Verteilung auf die Monate. Der Juli ist der regenreichste der Monate.

An Regentagen hatten die Monate in den Vergleichsjahren:

Jan.

Febr.

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

14

13

18

13

6

8

18

8

8

6

16

14

12

8

10

16

7

7

12

15

14

3

12

19

6

4

8

9

7

6

10

9

10

5

14

13

15

14

20

9

15

16

16

14

12

19

18

20

16

13

12

17

15

10

11

13

18

7

10

5

12

10

18

17

13

16

21

13

10

4

4

17

20

20

14

13

14

18

19

24

13

16

21

21

20

18

11

11

18

15

8

9

19

13

14

19

11

15

19

10

15

16

17

15

3

11

7

12

14

5

16

13

10

8

16

6

16

18

15

17

9

3

14

9

13

11

8

6

15

10

22

8

8

10

14

15

9

17

13

20

20

23

11

17

16

9

13

9

15

19

22

18

15

13

20

10

16

8

16

17

12

13

6

13

22

11

4

12

19

10

15

16

18

12

11

9

12

14

10

Zusammen:

216

192

167

219

178

189

207

201

191

194

183

196

Durchschnittliche Anzahl der Tage:

14,4

12,8

11,13

14,6

11,86

12,6

13,8

13,4

12,73

13,6

12,2

13,6

Nebst Januar und März ist also der Juli ein Monat der häufigsten Niederschlagstage. Empfindlicher wirken sich noch die beinahe gleich häufigen Augustregen aus, ist der August unser Erntemonat.

Noch entscheidender als das Klima beeinflusst der Kalkmangel des Bodens den Ertrag. Die Erkenntnis von der Bedeutung des Kalkes ist in Lingelbach mindestens 100 Jahre alt. Seit dieser Zeit geben unsere Bauern Kalkgaben. Trotzdem ergab eine Untersuchung des Bodens auf Kalk im Jahre 1938:

1)?Alle Wiesen sind kalkarm.

2)?Von den Äckern sind nur wenige Ausnahmen kalkreich genug, um die Bodensäure binden zu können.

Dieses Ergebnis nach einem Jahrhundert Kalkpflege festgestellt, lässt ermessen, dass die Anwendung von Kalk eine neue Epoche hinsichtlich der Bodenerträge einleiten musste.

Älter als die Erkenntnis um die Bedeutung des Kalkes ist das Wissen um den Wert des Mistes. Darum hat die Viehzucht wohl seit den Anfängen Lingelbachs eine bedeutsame Rolle gespielt. Noch im vorigen Jahrhundert steht die Schafzucht in Blüte. Es sei erst in einem späteren Kapitel auf ihren Wert und die Lösung der durch sie aufgegebenen Fragen eingegangen. Hier ist die Feststellung wichtig, dass das Schaf durch Jahrhunderte der bedeutsamste Düngerlieferant war. Die Rindviehzucht war nur in begrenztem Umfang möglich.

Sie war gleichwohl für den Ackerbau nicht bedeutungslos, konnte sich aber weder nach Umfang noch nach Bedeutung mit der Schafzucht messen. auch die Schweinezucht erlangte vorübergehend die aus einer folgenden Abhandlung ersichtliche Bedeutung für den Ackerbau und dessen Ertrag.

Es bestand also durch die Jahrhunderte eine enge Verbindung zwischen Ackerbau und Schafzucht. Daneben lieferte das Schaf zweifelsohne einen bedeutenden Anteil zum Lebensunterhalt (s. Kapitel Viehzucht). Das war um so wichtiger, als der Ackerbau geringe Erträge brachte. Sie sind uns für 1777 in der Vorbeschreibung zum Steuerkataster durch Lingelbacher Bauern urkundlich bezeugt. Die ihr entnommenen Angaben seien in Form einer Übersicht wiedergegeben. Doch sei der Übersicht vorangestellt, dass ein Viertel Roggen 208 Pfund wog und in 16 Metzen unterteilt wurde, deren eine also 208/16 = 13 Pfund ausmachte. Hafer rechnete man zu jener Zeit - nach Errechnung aus Angaben im Kataster - zu halbem Roggengewicht, während allgemein und später auch hier ein Verhältnis von Roggen:Hafer = 2:3 galt. Gerste hatte 8/9 - Weizen 10/9 des Roggengewichtes. Das sei den folgenden Tabellen zum Verständnis der jeweiligen Hohlmaße in Gewichten vorausgeschickt.

Bodenerträge 1777

Fruchtart

Güteklasse der Äcker (I bestes Land)

I

II

III

IV

V

VI

VII

Roggen (V.=Viertel)

IV.14 M.

IV.11 M.

IV.8 M.

IV.5 M.

IV.2 M.

15 M.

12 M.

Hafer (M.=Metzen)

2 V.

IV.12 M.

IV.8 M.

IV.4 M.

IV.

12 M.

8 M.

Gerste

IV.8 M.

IV.4 M.

IV.2 M.

Unter den schon vorausgeschickten Richtlinien umgerechnet, ergeben sich nach Abzug der in der Vorbeschreibung genannten Aussaatenmengen die in den Spalten 4, 7 und 10 genannten Überschüsse je Acker der betreffenden Fruchtart.

a) Roggen

b) Hafer

c) Gerste

Güte-

Klasse

Aussaatmeng e

Ernte

in Pfd.

Überschuß

Aussaatmeng e

Ernte

in Pfd.

Überschuß

Aussaatmenge

Ernte

in Pfd.

Überschuß

I

97

310

293

49

208

159

70

284

214

II

97

351

254

49

182

133

70

230

160

III

97

392

215

49

156

107

70

205

135

IV

97

273

176

49

130

89

V

97

234

137

49

104

55

VI

97

195

98

49

78

29

VII

97

156

59

49

52

3

Summe:

679

1911

1332

343

910

567

210

719

509

Durchschnitt:

97

273

176

49

130

81

70

239

169

Lehrer Stein behauptet rund 100 Jahre später in der Schulchronik: Die Bewohner Lingelbachs leben vornehmlich vom Ackerbau, welcher seit der Verwendung von Kalk und Asche reichliche Erträge liefert.

Damit umreißt er eine neue Art Bodenpflege. Sie drückte sich auch im bäuerlichen Gesicht des Dorfes aus. Es wurden Pottaschen-Siedeküchen erstellt. Durch den Ortsbeschreiber von 1850 wissen wir, dass sie ein Vorprodukt für Seife herstellten und dem Bauern als Nebenprodukt den Pottaschenruß lieferten. Der Ortsbeschreiber bezeugt auch die Existenz zweier Kalköfen, deren einer nach einem Gemeindeprotokoll aus jener Zeit in der Heckelshohl stand, während der Standort des zweiten noch in den bei unseren Bauern gebräuchlichen aber nicht katastrierten Flurnamen "die Kalkspitze" für einen Teil der Romanei fortlebt. Demnach war er in der Nähe der Grebenauer Straße erbaut. Sie verarbeiteten, d.h. sie brannten beide Weißenborner Kalksteine. Ausdrücklich bestätigt der Ortsbeschreiber auch die von Lehrer Stein genannte Düngeweise. Seine Angaben über Bodenerträge belegen die allgemeine Behauptung Steins im einzelnen mit Zahlen. Zum Verständnis der aus ihnen gewonnenen Tabelle sei vorausgeschickt, dass die von ihm genannte Metze nicht mehr die vorhin genannte Metze darstellt. Nach mir von älteren Leuten gemachten Angaben wog sie in Roggen 30, in Hafer 22 Pfund. Wir kommen also dem allgemein gebräuchlichen Verhältnis von Roggen:Hafer = 3:2 sehr nahe. Weizen ist zu 10/9 Roggengewicht umgerechnet.

Fruchtart

Aussaat je Acker in Metzen in Pfd. bei

Früh- Spät- Durch-

saat schnitt

Ernte auf

1 Acker

guten/mittl./schl. Boden

Durchschnitt der Ernte in

Metzen/Pfd.

Überschuß in Pfd.

Steigerung gegenüber 1777

Pfd. v.H.

Roggen

2,5

2,75

78

12

10

7

9,66

290

212

36

20,4

Hafer

3,5

3,75

80

18

14,5

11

14,5

319

239

158

95,0

Weizen

2,5

2,75

87,5

18

8

6

8

267

179,5

-

-

Erbsen

3

3,25

9

7

5,5

7

Lein

2,75

3

Gerste

2,75

3

Diese Erträge gestatteten den Lingelbachern einen Überschuß zu erzielen, den sie in Lauterbach und Alsfeld absetzten (s. aber Sonderabhandlung: Der Lingelbacher Fruchtmarkt).

Den örtlichen Bedarf beziffert der Chronist mit jährlich 1000 bis 1500 Vierteln Korn und 2800 bis 3100 Vierteln Kartoffeln. Die Ausfuhr belief sich nach derselben Quelle auf 500 Vierteln Korn, 100 Vierteln Erbsen, 100 Vierteln Gerste, 30 Vierteln Samen und Lein. Lingelbach zählte damals 720 Einwohner. Bei einem mittleren Verbrauch von 1250 Vierteln entfielen auf den Einwohner 1,75 Viertel Korn, während 1777 mit einem durchschnittlichen Bedarf von 1,5 Viertel pro Person und Jahr gerechnet wurde.

Neben der Ertragssteigerung durch Kalk kam man in jener Zeit zu einer größeren Wirtschaftlichkeit der Güter insgesamt. Die Dreifelderwirtschaft wurde nicht mehr streng durchgeführt. Die einstige Brache fällt aus und wird Knollen-, d.h. Kartoffel- und Rübenland. Statt zweier Ernten in drei Jahren erzielt man nun deren drei.

Die Bodenpflege lohnte sich. Die Ertragssteigerung reizte zur sorgsameren Pflege und für 1902 meldet der Schulchronist, Lehrer Gerth: Die Ernte ist in diesem Jahr hier gut, fast sehr gut ausgefallen. Die Vorbemerkung lässt eine Rekordernte vermuten. Die folgende Tabelle vermindert deshalb die in Spalte 3 nach Lehrer Gerths Angaben für den ha errechneten Morgenerträge um 15 v.H., um in Spalte 4 eine Normalernte als eine den vorhergehenden Angaben vergleichbare Größe zu gewinnen:

Fruchtart

Ertrag

je ha/Acker in kg in Pfd

Normalernte = 85 v.H.

v.Sp. 3

Saatgut in Pfd. je Acker

Überschuß bei Normal-Ernte

Anbau-fläche in ha

Gesamternte

1902/normal

 

dz dz

Ertragssteigerun g in v.H. gegenüber

1777 1850

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Roggen

1300

650

552,5

90

46,5

130

1690

1463,5

162,5

118,1

Weizen

900

450

382,5

90

292,5

20

180

153

-

62

Hafer

1000

500

425

70

355

123,3

1233

1048,05

336

46

Gerste

800

400

340

70

270

13,8

110,4

93,84

75

-

Erbsen

1000

500

425

-

-

24,3

243

206,55

-

-

Kartoffeln

9000

4500

3825

-

-

43,8

3842

3366

-

-

Zwischen 1902 und 1940 liegen nun die vier Jahrzehnte, in denen der deutsche Bauer ein gelehriger Schüler der Bodenchemiker wurde. Hier zwang Tatgewordene Wissenschaft den Boden zur Hergabe von am Anfang der Entstehung kaum vorstellbarer Höchstleistung. Es sei eine Übersicht der gegenwärtigen Durchschnittserträge angefügt:

Fruchtart

Aussaat in Pfund

Ernte in Pfund

Überschuß in Pfund

Steigerung gegenüber

1777 1850 1902

Gesamtanbauflächenernte

Roggen

80

1500

1420

707

494

218

Hafer

50

1100

1050

1200

554

196

Gerste

60

1200

1140

640

-

322

Weizen

80

1500

1420

-

-

386

Kartoffeln

Um die volkswirtschaftliche - d.h. die ernährungswirtschaftliche Bedeutung der Ertragssteigerung deutlich zu machen, sei der jedesmalige Überschuß einmal anders gewertet. Der Roggenüberschuss sei als Vomhundertsatz einer Selbstversorgerkriegsration, der Haferüberschuss als Prozentanteil einer Pferdenahrung von 3600 Pfund pro Jahr ausgedrückt.

Die Jahreszahlen werden nunmehr der leichteren Merkbarkeit wegen in die fasslicheren Jahreszahlen 1775 (statt 1777), 1850, 1900 (statt 1902) und 1940 vereinfacht.

Es erbrachte ein Acker (Morgen):

Fruchtart

Überschuß

1775

in Pfd v.H.

1850

in Pfd v.H.

1900

in Pfd v.H.

1940

in Pfd v.H.

Bemerkungen

Roggen

176

54

212

60,4

454

129

1420

405

Roggen v.H. einer

Menschennahrung

Hafer

81

2,25

239

6,66

324

9

1140

31,6

Hafer v.H. einer

Pferdenahrung

Anders gelesen heißt das:

Ein Bauer brauchte

Es lieferte ein Morgen Nahrung für

Roggenanbaufläche

für ein Person

Haferanbaufläche

für ein Pferd

Personen

Pferde

1775

2 Morgen

45 Morgen

halbe Person

1/45 Pferd

1850

1 2/3 Morgen

15 Morgen

zwei Drittel Person

1/15 Pferd

1900

0,75 Morgen

11 Morgen

1 1/5 Personen

1/11 Pferd

1940

0,25 Morgen

3,4 Morgen

4 Personen

ein Drittel Pferd

Hand in Hand mit der Ertragssteigerung, d.h. dem volkswirtschaftlichen Wert der Böden, ging eine Preissteigerung d.h. des Vermögenswertes seines Inhabers, die sich an den Kauf- und Pachtpreisen ablesen lässt. Die tatsächliche Werterhöhung sei zunächst rein zahlenmäßig an Hand der Angaben der erwähnten Quellen und aus gegenwärtigen Unterlagen wiedergegeben. Für 1775 ergibt sich der aus folgender Aufstellung ersichtliche Durchschnitt und das aufschlussreiche Verhältnis zwischen Kauf- und Pachtpreisen:

Boden-Güte-Klasse

Kaufwert je Acker

Pachtwert je Acker

Verhältnis von Kauf - zu Pachtpreis

1

20 Reichstaler

1 Reichstaler

20:1

2

15 Reichstaler

5sechstel Rtl.

18:1

3

12 Reichstaler

2drittel Rtl.

18:1

4

8 Reichstaler

ein halber Rtl.

16:1

5

5 Reichstaler

1drittel Rtl.

15:1

6

3 Reichstaler

1sechstel Rtl.

18:1

7

1 Reichstaler

-

-

durchschnittlich 6

4siebtel Rtl.=9 Rtl.

4 alt 7 Heller

3 5siebtel Rtl.=16 alt

18:1

Da die Vorschreiber ausdrücklich darauf hinweisen, dass Verpachtungen selten vorkommen, haben die Pachtpreise mehr oder weniger nur theoretischen Wert. Praktisch war auch die Regel gebräuchlich, dass die Pacht gleich der benötigten Samenmenge festgesetzt wurde.

1850 galten folgende Verhältnisse:

Güteklasse

Kaufwert

Pachtpreis

Verhältnis Kw. zu Ppr.

gut

36 Rtl.

4 Rtl.

0:1

mittel

30 Rtl.

3 Rtl.

10:1

schlecht

24 Rtl.

2 Rtl.

12:1

durchschnittlich

90/3 = 30 Rtl.

9/3 = 3 Rtl.

10:1

Ein Vergleich beider Tabellen lehrt:

Der Wert der Äcker ist rein zahlenmäßig auf mehr als das Dreifache gestiegen.

Die Pacht hat zahlenmäßig die sechsfache Höhe erreicht.

Der verhältnismäßig höhere Pachtpreis drückt schon eine größere Begehrtheit der Äcker gegenüber 1775 aus. Da man 1775 1/18, 1850 aber 1/10 des Kaufwertes als Pacht zahlte, waren die Äcker doppelt begehrt geworden.

Da der Kaufwert des Geldes in Rechnung gestellt werden muss, sei der Vergleich in anderer Form wiederholt. Der Vergleichsmaßstab sei der Tagelohn, der in beiden Quellen für die betreffende Zeit genannt wird. 1775 betrug er 5 Albus 4 Heller, 1850 zweieinhalb Silbergroschen. Außerdem ist zum Verständnis der Tabelle notwendig zu wissen, dass 1775 ein Reichstaler 32 Albus und ein Albus zwölf Heller hatte. 1850 aber hatte ein Reichstaler zehn Silbergroschen.

Jahr

Tagelohn

Kaufpreis je Morgen

das sind Arbeitstage

Pachtpreis je Morgen

das sind Arbeitstage

Verhältnis Kpr. : Ppr.

1775

4 Alb 4 H.

9 Rtl. 4 Alb 7 H

54

16 Albus

3

18:!

1850

2,5 Sgr.

30 Rtl.

120

3 Rtl.

12

10:1

Einer Fruchtertragssteigerung um rd. 25 % steht eine Wertsteigerung um rd. 125 % im Kaufwert, um 400 % im Pachtwert gegenüber. Doch hinkt der Vergleich noch immer.

Durch die inzwischen eingetretene Einführung des Kartoffelanbaues hatte der Bauer in drei Jahren jetzt drei Ernten, während ihm früher im gleichen Zeitraum nur zwei Ernten zufielen. Wir kennen die Winter- und Sommerfruchterträge der beiden Vergleichsjahre.

Auf etwas umständliche Art können wir den ungefähren Kartoffelertrag je Morgen für 1850 errechnen.

Der Ortsbeschreiber nennt für 1850 dreitausend Vierteln als Verbrauchsziffer für Lingelbach. Da Kartoffeln unter den Ausfuhrgütern nicht aufgezählt sind, ist anzunehmen, dass der Verbrauch gleich dem Ertrag war, wenn wir den natürlichen Schwund unberücksichtigt lassen. Die Gesamtanbaufläche betrug damals 1675 Acker. Davon entfielen je ein Drittel auf das Sommer- und das Winterfeld. Das restliche Drittel von 558 Acker dürfte sich gleichmäßig auf Kartoffeln und Rüben verteilen. Wir kommen nach diesen Überlegungen zu einer Kartoffelanbaufläche von rd. 680 Acker. Der ungefähre Morgenertrag stellte sich also auf 3000/280 = 10,7 Viertel oder, unter Zugrundelegung des Roggengewichtes für Kartoffeln, auf 2996 Pfund = rd. 30 Zentner.

Ein Morgen Land erbrachte nach heutigen Preisen von rd. 9 RM für Roggen und Hafer und 2,75 RM für den Zentner Kartoffeln im dreijährigen Turnus:

1775

1850

Roggen

2,73 x 9 = 24,57 RM

2,90 X 9 = 26,10 RM

Hafer

1,30 x 9 = 11,70 RM

3,19 x 9 = 28,71 RM

Kartoffeln

Brache = keine Erträge

2,75 x 30 = 82,50 RM

gesamt in 3 Erntezeiten

26,27 RM

137,71 RM

Der Bodenertrag steigerte sich für den dreijährigen Turnus um 420 v.H., für ein Jahr um 140 v.H, also um rund das Zweieinhalbfache. Das erklärt, dass die Kartoffeln mehr begehrt wurden. Sie dürften sich der besonderen Wertschätzung des kleinen Mannes erfreut haben.

Er zahlte einen Pachtpreis über der oben errechneten Wertsteigerung, während der Verkaufswert unter der Ertragswertsteigerung lag.

Man zahlte einen Kaufpreis pro Morgen von 800 bis 1000 RM und einen Pachtpreis von 35 bis 40 RM pro Morgen. Rein zahlenmäßig ergibt das bei einem Tagelohn von 2,50 RM eine Steigerung von 54 Arbeitstagen auf 400 Arbeitstage. Das ist das Siebeneinhalbfache oder eine Steigerung um 650% (auf 750 %). Der Pachtzins entspricht 14 bis 16 Tagelöhnen und ist auf 400 bis 500 %, also um 350 bis 400 % gestiegen. Die Begehrtheit des Ackers ging also zurück. Das mag einerseits seinen Grund in der besseren Entlohnung des Arbeiters haben, andererseits aber auch eine Folge der Ertragssteigerung sein. Der Arbeiter kann seinen Wunsch nach "Hausgebackenem" Brot auf wesentlich kleinerer Anbaufläche befriedigen. Möge der Arbeiter das als Beispiel dafür werten, wie in der Volksgemeinschaft der Arbeitserfolg des einen dem anderen zugute kommt.

Die aus unseren Ertragstabellen entnommene durchschnittliche Ertragssteigerung im Getreideanbau von rd. 800 Vierteln wird durch die Wertsteigerung nicht erreicht. Rechnet man den heute ungeheuren Kartoffelertrag der Ertragssteigerung hinzu, ergibt sich folgendes Bild:

1. Jahr Roggen:

14 Zentner x 9 RM = 126,00 RM

2. Jahr Hafer:

10,5 Zentner x 9 RM = 94,50 RM

3. Jahr Kartoffeln:

75 Zentner x 2,75 RM = 206,25 RM

Gesamt in 3 Jahren:

426,75 RM

im Jahresdurchschnitt 175,58 RM = rd. 1600 % des Ertrages von 1775

Rechnen wir die Düngekosten, die einen Mehraufwand gegenüber früher bedeuten ab, dürfte an sich noch immer eine Steigerung um 1000 % bleiben. Der im ersten Augenblick überraschende Kaufpreis der Äcker für 1940 bedeutet also keineswegs ein goldenes Zeitalter für den verkaufenden Bauer oder Bodeneigentümer. Aber auch der Käufer des Bodens erzielt nicht den Unterschiedsbetrag zwischen Ertragswert- und Kaufwertsteigerung als billigen Gewinn. Die Bewirtschaftung eines Bauerngutes erfordert heute ungleich mehr Betriebskapital als früher. Würden wir, statt wie vorhin, vom Roh- vom Reinertrag ausgehen, ergäbe sich ein anderes Bild. Doch sei diesen Gedankengängen hier nicht nachgegangen. Eines steht so oder so fest: Den Gewinn der Bodenertragssteigerung erntete in weit höherem Maße das Volk als der Bodenbebauer.

Bauern! Das macht euch stolz! Ihr habt in den letzten 150 Jahren eurem Volk mehr gegeben, als man euch lohnen konnte, d.h. in Geld erstatten konnte. Ihr habt das Wort vielleicht einmal gehasst und manchem von euch klingt es vielleicht heute noch nicht lieblich, weil er es noch immer in seinem tiefsten Sinn nicht versteht: "Was ihr tatet, war Sozialismus". Lies bei Alfred Rosenberg unter dem entsprechenden Kapitel seines Buches "Der Mythos des 20. Jahrhundert", was er eine sozialistische Tat nennt. Du wirst inne werde, dass die letzten vier Bauerngenerationen eine sozialistische Tat ersten Ranges leisteten und dass die sozialistische Haltung gar nicht so ferne liegt, als es dir unter der marxistischen Sinndeutung dieses Begriffes einmal schien.

Und da wir nun einmal vom Sachlichen ins Persönliche und vom Bäuerlichen ins Politische gekommen sind:

Vielleicht liegt dir auch das Wort Volksgemeinschaft ein wenig quer. Auch es bedarf wahrscheinlich einmal einer anderen Beleuchtung. Der Mann, dem du es verdankt, dass du heute mit den herkömmlichen Kellern und Scheunen nicht mehr ausreichst, ist Justus Liebig. Er war ein Gelehrter, ein Wissenschaftler und entdeckte in zähem Fleiß und dank seines genialen Forscherblickes die Bodenchemie, deren Tatgewordenen Erkenntnisse die künstliche Düngung geworden ist. So gewiss die Bodenchemie als vom Bauern angewandte Wissenschaft erst ihre letzte Krönung findet, so gewiss ist sie aber auch die Voraussetzung für die im letzten Jahrhundert erreichte Ertragssteigerung. Wenn du, Leser, einer von den ein wenig unduldsamen Bauern bist, die nur bäuerliches Wirken als eigentliche Arbeit gelten lassen, erkenne hier, dass das Wohl Aller nur aus dem Zusammenschaffen Aller fließen kann und dass aller Fortschritt und alle Vorwärts-, alle Höhenentwicklung fundamentiert ist im Zusammenwirken aller Kräfte. Das aber ist die Volksgemeinschaft, an der wir bauen: Die in dem Wissen um die gegenseitige Bedingtheit wurzelnde gegenseitige Achtung.

"Ehre jeder nassen Stirn

hinterm Pfluge, doch auch dessen,

der mit Schädel und mit Hirn

hungernd pflügt, sei nicht vergessen!"

Justus Liebig leitete eine neue Epoche der Bodenerträge ein; sein Schaffen war also epochemachend und sein Werk, dessen Ertrag uns Deutschen und auch den anderen Völkern reichliche Ernten und Brot für viele gab, war ein soziales, ein sozialistisches. Dass er ein Deutscher war, sei uns ein Beweis mehr für die Größe und Begabtheit unseres Volkstums und macht uns stolz, Deutsche zu sein!

Abschließend sei festgestellt:

In den letzten 150 Jahren erzielte zäher Fleiß der Lingelbacher Bauern eine vorher unmöglich scheinende Steigerung der Bodenerträge.

Einer Steigerung des Bodenertrages folgte eine Höherbewertung des Bodens.

Unsere Lingelbacher Bauern haben durch Fleiß somit

                a) Anteil an dem Wachstum unseres Volksgutes gewonnen,

          b) sich selbst einen größeren Anteil an der Kultur dieses ihres Volkes gesichert.

Von der Viehzucht in Lingelbach

Ackerbau und Viehzucht sind nicht umsonst in unserem Vorstellungsleben so eng miteinander verknüpft. Sie in Lingelbach von einander zu trennen, ist ein gewagtes Unternehmen. Es geschieht hier in voller Erkenntnis, dass beide sich gegenseitig stützten, ergänzten und bedingten. Die Trennung geschieht nur deshalb, weil in ihrer Entwicklung eine Reihe genossenschaftlicher und gemeinschaftlicher Aufgaben erkenntlich werden, deren Lösung uns zugleich Einblick in das Wesen der Lingelbacher Vorfahren gewährt und weil die getrennte Behandlung von Ackerbau und Viehzucht größere Übersichtlichkeit gewährleistet.

Es ist in der Einleitung zum vorherigen Kapitel bereits ausgesprochen worden, dass die Schafzucht eine bedeutende Rolle spielte. Sie ermöglichte von Anfang an die unumgängliche Düngung der Äcker. Damit war sie von hervorragend gemeinnütziger Bedeutung. Im Haushalt der Einzelfamilie lieferte sie in Zeiten der geschlossenen Hauswirtschaft den wichtigen Rohstoff Wolle. Neben dem wirtschaftlichen Wert war sie durch die ihrer Zubereitung und Verarbeitung dienenden Spinnstuben formend an der Haltung des Einzelnen und an der Gemeinschaftsgestaltung beteiligt.

Nach Aufgabe der geschlossenen Hauswirtschaft gab sie den Rohstoff Wolle in die Volkswirtschaft und dem Bauern als Gegenwert Betriebskapital. Bis in die neueste Zeit hinein ermöglichte sie gemeinsam mit dem Flachs einer beträchtlichen Anzahl von Webern die Lebensfristung. Sie drückt noch heute bis zu einem gewissen Umfang dem Dorfbild ein bestimmtes Gepräge auf. Die Häufigkeit des Familiennamens Schäfer ist gewiss nicht zufällig, sondern in ihr begründet. In den Bauernhäusern wird an Winterabenden noch jetzt Wolle gesponnen. Man kauft sie gekämmt und verarbeitet sie zu Garn. Die Lingelbacher Frauen sind sehr rührig im Stricken und umsichtige Handarbeiterinnen. Zahlreiche Einwohner lehnen Strümpfe aus fabrikmäßig gefertigtem Garn ab. Endlich lebt die Spinnstube wenigstens dem Namen nach fort.

Der frühere Kulturzustand der Gemarkung reizte durch zahlreiche Huten und größere Ödländereien geradezu zur Schafzucht an. Der Schafbestand war deshalb wohl nie gering. 1777 werden in einer Gesamtangabe 636 Stück genannt. Aus einer anderen Angabe lassen sich 800 bis 900 Stück errechnen. Die Gesamtzahl bezieht sich wohl auf die ständig gehaltenen Zuchttiere, während in der zweiten Angabe die Anzahl Lämmer enthalten sein dürfte, die als Nachwuchs bei der Herde blieben.

Die hohe Anzahl der Schafe bedingte eine Regelung des Huterechtes. Es ist laut Vorbeschreibung von 1777 Gemeindegebrauch. Der Ausdruck will lediglich besagen, dass es nicht grundherrliche Gerechtsame ist. Vielmehr war ihm in einem Teil der Gemarkung, der durch "das Gehölz" und den "Kreuzweg" begrenzt beschrieben wird, Mithütung eingeräumt. Er seinerseits stellte den Schafhaltern Waldhute zur Verfügung. Auch Kühe wurden im Wald gehütet. Doch geschah das anscheinend auf Grund vertraglicher Vereinbarung, während die Schafhütung altes Semihüterecht war. Für die Kühe zahlte man eine Entschädigung, auf die an anderer Stelle näher eingegangen werden wird.

Die Schafe wurden in acht Pferchen oder Haufen geweidet. Es bestanden acht nachbarliche Gemeinschaften, deren jede dem Grundherrn jährlich einen Trifthammel und seinem Förster 8 Albus Pflegegeld schuldete.

Der Rindviehzucht kommt zur Blütezeit der Schafzucht nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Vor allem nahm sie im bäuerlichen Betrieb eine ganz andere Stellung ein als heute. Jetzt stellt das Milchgeld einen wesentlichen Anteil am Betriebskapital dar. Bäuerliche Betriebe züchten Rindvieh nur für den Milch- und in bescheidenem Umfang des Fleischertrages wegen. Nur in den kleineren Betrieben benutzt man Kühe als Spannvieh.

In allen Betrieben ist allerdings der anfallende Mist geschätzt, da ihn das Feld nicht entbehren kann. Lingelbachs Bauern verkaufen Mist nur ungern, und es ist beinahe ein Freundschaftsbeweis, wenn man einen Wagen Mist erhält.

Damals stellte das Rindvieh

Zugkraft in Gestalt der Ochsen,

einen Teil des Düngers, und

in wenigen Milchkühen die Lieferanten von

Milch und Butter für den Haushalt.

1777 gehen in Lingelbach neben den zwei Mühlpferden Konrodes 132 Ochsen. Diese Ochsen wurden im Winter gemästet und stellten eine Begehrtheit auf dem Gießener Markt dar. Sie wurden gut bezahlt. Die Kuhhaltung wurde erschwert durch den Mangel an guten Wiesen. Lehrer Stein schreibt deshalb mit Recht: "Die Viehzucht wäre lohnender, wenn das Heugras besserer Qualität wäre", dürfte aber trotzdem in dem Nachsatz Willensbedingten Anteil an der in dem Satz genannten Regelung übersehen: "Während so die Ernährung des Viehes stets durch den Zusatz von Körnern geschehen muss". Durch den Zusatz von Körnern wollte man jene begehrten Mastochsen erzielen.

1777 finden wir an Kühen 96 Stück vor, d.h. im Durchschnitt auf jeden der 67 Betriebe 96/67 = 1,4 Stück. Die Quantität des Heues war gering. Die Qualität wurde wohl durch einen hohen Prozentsatz an Sauergräsern ungünstig beeinflusst. Deshalb führte die Anwendung von Kalk wohl einmal den aus dem Vergleich der folgenden Ertragstabellen ersichtlichen Mengenzuwachs herbei, zum zweiten aber eine nur schätzungsweise erfassbare Qualitätssteigerung des Heues. Endlich sei nicht unberücksichtigt gelassen, dass die heutige Frühernte eine bessere Abbaufähigkeit des Heues garantiert.

Für 1775 werden folgende Erträge je Morgen genannt:

Klasse

I

II

III

IV

V

VI Durchschnitt

Heuernte

10

8

6

4

3

2 Zentner

Grummeternte

5

4

3

2

1,5

- Zentner

Zusammen

15

12

9

6

4,5

2 Zentner

Für 1850 ergibt sich folgendes Bild:

Ernte

Ertrag

Steigerung gegenüber 1775

Heu

15 Zentner

172 %

Grummet

10 Zentner

285 %

zusammen

25 Zentner

208 %

Für 1902 weist die Statistik eine Ertragssteigerung nicht nach.

1940 gilt folgende Tabelle für die Durchschnittserträge:

Heu

30 Zentner = 445 % Steigerung gegenüber 1775, 100 % Steigerung gegenüber 1850

Grummet

18 Zentner = 600 % Steigerung gegenüber 1775, 80 % Steigerung gegenüber 1850

zusammen

48 Zentner = 500 % Steigerung gegenüber 1775, 92 % Steigerung gegenüber 1850

Diese Ertragsänderung musste einen höheren Viehbestand zur Folge haben. Lediglich die Schafzucht ging zurück. Der Rückgang ist teils in dem Verlust der Waldhute begründet (s. Ablösung der Rechte). Vor allem aber griff eine Umbewertung der Rindviehzucht Platz. Man brauchte einen Ausgleich für die mit dem Rückgang der Schafzucht zwangsläufig einsetzende Einnahmenminderung. Der war möglich durch das Milchgeld. Man stellte sich deshalb auf Rindviehzucht um und hat beachtenswerte Ergebnisse erzielt. Ein größerer Kuhbestand gab auch genug Jungvieh zur Mast. Man konnte nun die langsameren Ochsen durch das schnellere Pferd ersetzen, da man die Masttiere aus dem männlichen Kälberbestand auswählen und zur Zucht untaugliche Milchkühe auf Mast umstellen konnte.

Die Entwicklung der Viehzucht wird in einer Übersicht, die die vorgefundenen Quellen benutzt, veranschaulicht. Der Einfachheit halber seien die Schweine schon mitgezählt, während die Schweinezucht selbst erst in dem folgenden Abschnitt Behandlung findet.

Jahr

Rindvieh

Pferde

Schafe

Schweine

Änderung gegenüber 1775 um v.H.

Ochsen

Kühe

Jungvieh

Ochsen

Rindvie h

Pferde

Schafe

Schweine

1775

122

96

?

2

636

-

-

-

-

-

-

1842

48

120

25

24

570

-

-61

+51

+1100

-10

-

1850

100

180

-

35

900

-

-29

+100

+1650

+41

-

1880

zusammen 455

51

940

162

?

+374

+2450

+48

-

1938

2

zusammen 725

84

12

600

-98,4

+655

+4100

+98,2

 

-

Abgeschlossen sei auch dieses Kapitel mit einer Betrachtung über die eingetretene Wertsteigerung der Wiesen.

1775 gelten folgende Verhältnisse:

Güteklasse

I

II

III

IV

V

VI

durchschnittlich

Kaufwert

25 Rtl.

20 Rtl.

15 Rtl.

10 Rtl.

5 Rtl.

2 Rtl.

7 7/6 ? 14,5 Rtl.

Pachtwert

1 Rtl. 8 Alb.

1 Rtl.

24 Alb.

16 Alb.

8 Alb.

-

3,75 = 25 Alb.

Verhältnis: Kaufwert zu Pachtwert in Güteklassen I bis V : 20 : 1

1850 gelten folgende Verhältnisse:

Güteklasse

gut

mittel

schlecht

Durchschnitt

Steigerung

des Viertels

des Zentners

Kaufwert

100 Rtl.

-

70 Rtl.

170/2 = 85

500 %

208 %

Pachtwert

6 Rtl

-

4 Rtl.

10/2 = 5

566 %

-

Verhältnis K.:P.

16,6 : 1

17,5 : 1

17 : 1

1940 gelten folgende Verhältnisse:

Steigerung in % gegenüber

Ertragssteigerung in % gegenüber

1775

1850

1775

1850

Kaufwert

800 RM

1840

16

445

100

Pachtwert

40 RM

1333

160

Verhältnis Kaufpreis zu Pachtpreis: 20 : 1

An sich übersteigt die Kaufwertsteigerung die Ertragssteigerung. Doch enthält unsere Ertragssteigerungstabelle ja lediglich die Mengen-, nicht die Gütesteigerung. Der wirkliche Wert der Wiesen lässt sich schon eher aus dem Vergleich ihrer Begehrtheit schließen. Von 1775 bis 1850 stieg der Wert eines Ackers auf das Dreieinhalbfache, der einer Wiese auf das Sechszweidrittelfache!

Gemessen an den Tagelöhnen erwarb man 1775 eine Wiese für 72 Tagewerke und pachtete sie für 4,5 Tagewerke; 1850 betrug der Kaufpreis 340 Tagewerke, Pachtpreis 20 Tagewerke. Unter Berücksichtigung der Qualitätshebung scheint die Werterhöhung mehr als gerechtfertigt.

Auch die hier aufgezeigte Entwicklung ist von großer ernährungswirtschaftlicher Bedeutung. Der Bestand an Kühen gab 1777 den Einwohnern Lingelbachs den damals bescheidenen Bedarf an Butter und Haushaltsmilch. Im Jahre 1939 lieferte Lingelbach an die Molkereien Alsfeld 43000 Liter Milch mit 1236 kg Fett. Bei einem durchschnittlichen Fettverbrauch von (?) kg pro Person und Woche ergibt das die Versorgung für (?) Personen.

Von der gemeindebehördlichen Sorge um die Viehzucht im vorigen Jahrhundert

Die Viehzucht stellt in weit höherem Maße Gemeinschaftsaufgaben als der Ackerbau. Diese Aufgaben wurden zum Teil genossenschaftlich, zum Teil gemeindeseitig gelöst. Die Aufteilung der großen Schafbestände geschah durch nachbarlichen Zusammenschluss zu Pferchgemeinschaften. Das Hutrecht für sie im Walde war eine der Semihutberechtigungen. Dagegen blieb der Gemeindebehörde die Sorge für eine geeignete Hute für die im vorigen Jahrhundert schon einmal blühende Schweinezucht. Sie erwarb vertraglich das Hutrecht im Wald bei den Freiherrn von Dörnberg. 1775 zahlte man für ein großes Schwein pro Jahr 2 Albus, für ein mittleres 1 Albus 4 Heller und für ein kleines 1 Albus und jeder Einwohner pro Stück 1 Albus 4 Heller Schreibgeld.

Auch für Kühe hatte man Hutrecht im Forst erworben. Es wurden 4 Reichstaler 8 Albus Kuhgeld gezahlt und je Einwohner erhielt der Förster 3 Metzen Hafer, der später in Geld abgelöst und als "Waldhafer" in Quittungen Erwähnung findet.

Die Schweine wurden von den Einwohnern bei Verlassen des Hauses in Sammelstellen Zusammengetrieben. Von hier holte sie der Hirte zum Weidegang ab. Solcher Sammelstellen scheint es drei gegeben zu haben. In ihnen sammelte sich Dünger an, den die Gemeinde versteigerte. Ihre Lage ist nie erwähnt worden. Nach mündlicher Mitteilung von Dorfbewohnern soll aber eine an Stelle des heutigen Lagerhauses gelegen gewesen sein. Sie müssen außerdem unterschiedlich groß gewesen sein.

Aus den Pachtpreisen ergibt sich ein Dungwertverhältnis für die drei Sammelstellen von 5 Reichstalern : 1 Reichstaler:11 guten Groschen, das ist von 150:30:11 = 15:3:1,1. Dieses Preisverhältnis des anfallenden Düngers entsprechen. Durch mehrere Jahrzehnte sind uns die Verpachtungsprotokolle erhalten. Doch wertete die Gemeindebehörde diese Einrichtung nicht nur nach der finanziellen Seite zum allgemeinen Nutzen aus, sie verband damit auch die Lösung der Eber-Frage. Sie knüpft z.B. am 30.11.1841 an die Pacht der großen Schweinemistmenge die Bedingung, "dass der Pächter auch einen brauchbaren Eber zu halten hat". Um 1860 findet sich dann allerdings kein Liebhaber, der bereit wäre, die Bedingung zu erfüllen. Da es zu der Zeit laut Gemeindesitzungs-Protokoll auch keine Doggen - das sind weibliche Zuchttiere - gibt, wird von der Bedingung abgesehen. Es scheint also als sei die Schweinezucht zurückgegangen. Allerdings ist es mir bis jetzt nicht gelungen, einen Grund dafür zu finden. Ich kann mir auch nicht gut denken, dass man von der Schweinehaltung ganz und gar abgekommen wäre.

Vielleicht mästete man angekaufte Ferkel und verzichtete auf Zucht. Für den Rückgang der Schweinezucht spricht auch die Tatsache, dass um 1860 nur noch "die Schweinemist" - also eine statt drei - verpachtet wird. In der Folgezeit ist auch davon nicht mehr die Rede.

Auch die Sorge für einen Zuchtbullen war gemeindebehördliche Pflicht. Sie beschränkte sich allerdings auf das Aufstellen einer Halteordnung, während die Tierbeschaffung selbst dem pflichtigen Tierhalter übertragen wurde. Zunächst scheint man den Pflichtigen durch Los bestimmt zu haben. So berichtet ein Protokoll:

„ Geschehen Lingelbach, 6ten September 1835"

In der heutigen Sitzung des Gemeinderates unter dem Vorsitze des Bürgermeisters wurde die Gemeinde-Fasselochsen-Haltung verlost und des Joh. Schäfers Witwe durch Los schuldig wurde, denselben von Michaelistag 1835 bis dahin 1836 unter folgenden Bedingungen zu halten:

·  A.     darf dieselbe keinen Fasselochsen verkaufen, ehe und bevor der Gemeinderat seine Bewilligung hierzu             gegeben,

·  B.     muss der Ochse immer in gutem Stande gehalten werden. Dagegen bekommt dieselbe 12 Rtl. von dem             vorherigen Ochsenhalter zum Ankauf desselben,

·  C.     sollte dieselbe nach Verlauf dieser Zeit den Ochsen nicht verkaufen können, so soll derselbe geschlachtet             werden, und jeder Einwohner, der Kühe hat, nach Anzahl seiner Kühe gegen gleich bare Zahlung                 Fleisch zu nehmen verbunden sein,

·  D.     soll der Ochse, bevor er geschlachtet werden darf, zuvor vom Rat besichtigt werden."

Es ist also von einer Entschädigung für die Unterhaltungskosten keine Rede. Doch ist eine Anschaffungsbeihilfe vorgesehen, die der vorige Halter aus dem Erlös für seinen Ochsen beisteuern muss. Der Ochse ist Eigentum des Halters. Für den Verkauf werden dem Halter Garantien gegeben. Es ist denkbar, dass der betroffene Halter lieber ein anderes Masttier gehalten hätte. Die Mühe des Herausführens des Ochsens und eine gewisse damit verbundene Gefahr wären ihm dann erspart gewesen.

Die Regelung scheint sich für die Dauer nicht bewährt zu haben.

Das Gemeindeprotokoll vom 3.8.1840 besagt:

"In der heutigen Sitzung des Gemeinderates und des ständigen Ausschusses wurde das unzweckmäßige Reihehalten des Fasselochsens besprochen und durch Stimmenmehrheit beschlossen, dass der Fasselochse von Michaelistag 1840 bis dahin 1841 und in der Folge an den Wenigstnehmenden verakkordiert werden und der Ochsenhalter aus der Gemeindekasse bezahlt werden sollte."

Unterm 29.8. heißt es dann nach Bezugnahme auf das vorige Protokoll:

·  A.     "Derjenige, welcher den Zuschlag bekommt, resp. welchem der Ochse überlassen wird, ist verbunden, bis           zum 29 Sept. d.J. einen guten und tüchtigen Ochsen anzukaufen, der Gemeinderat hat über die                    Tüchtigkeit desselben zu entscheiden und darf der Ochse ohne Genehmigung des Gemeinderats nicht            zum Springen zugelassen werden.

·  B.     Der Ochse wird vom 29.9. d.h. bis zum 29.9.1842 - nämlich auf 2 Jahre - verakkordiert.

·  C.     Ist Akkordant verbunden, im Fall dass der Ochse während dieser Zeit vom Gemeinderat als untauglich             erklärt wurde, einen anderen Ochsen auf eigene Kosten anzuschaffen."

Dahingegen macht sich der Ortsvorstand verbindlich, die versprochene Pacht zu lassen und soll deshalb die Hälfte zu Petritag und der Rest auf den 29.9.1841 auf das erste Jahr ausbezahlt werden. Ebenso wird auf das zweite Jahr verfahren und bezahlt.

Hierauf forderten:
Nikolaus Well 50 Rtl.
Peter Schmidt 40 Rtl.
Konrad Schäfer 39 Rtl.

Sonst wollte niemand weniger nehmen und wurde deshalb dem Konrad Schäfer vor die erwähnte Summe von 39 Rtl. auf jedes Jahr belassen.

Doch war auch damit nicht Garantie für ein beiderseitig befriedigendes Verhältnis gegeben. Jedenfalls erteilte der Gemeinderat unterm 27.11.1848, und der Ausschuss am Folgetag, die Zustimmung zu einem Prozess gegen den damaligen Halter des Ochsen. Doch bedurfte es steter Sorgen bis in unsere Zeit, eine für beide Teile tragbare Regelung zu finden.

Vor allem war der Grundsatz, nach der Wenigstforderung zu vergeben, zu überwinden. Nach diesem Grundsatz vergab man im vorigen Jahrhundert auch die Hirtenämter und hatte stets Schwierigkeiten zu überwinden, die darin wurzelten, dass die Kargbelohnten ihre Pflichten eng begrenzten.

Mit dem Amt des Schweinehirten war das des Nachtwächters durch Personalunion verbunden! Für 1836 vereinbart man in der Sitzung vom 30.11.1835 einen Naturallohn von "Sieben Vierteln Korn" und zwar "gestrichen Maas". Die Tierhalter reagieren auf die in dieser Mussbestimmung unausgesprochen gegen sie gerichteten Spitze mit Klagen wegen Pflichtversäumnis des Hirten. Daraufhin auferlegt der Gemeinderat dem Schweinehirten die Verpflichtung "Sich dem Befehl des Ortsvorstandes pünktlich zu unterwerfen und, wie sich von selbst versteht, für das Beste der Herde zu sorgen!" Außerdem muss er seinen Lohn, den man am 30.11.1836 für 1837 einmal in Geld festsetzt - 3 Groschen 8 Heller - ohne jede Ausnahme per Stück an Johannis und Martini selbst kassieren. Dabei scheint er üble Erfahrungen gemacht zu haben.

Er bewirbt sich nicht wieder um sein Amt. Sein Nachfolger erhält wieder Naturlohn. Diese Regelung stieß wegen der uneinheitlichen Maße auf Schwierigkeiten. Dem Feldhüter, der auch "in natura" entlohnt wurde, wird um diese Zeit auferlegt, dass "Mäßchen" mit dem er seine Besoldung "Einzumessen" hat, beim Gemeindevorstand zu empfangen.

Trotz aller Lohnreformen scheint das vereinigte Amt eines Schweinehirten und Nachtwächters zu Lingelbach keinen goldenen Boden gehabt zu haben, denn in im 6. Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts wandert sein Inhaber nach Amerika aus.

Die früher blühende Gänsezucht findet in zweifacher Art in den Protokollen Niederschlag. Die Gemeinde verdingt alljährlich den Gänsehirten, der halb Natural-, halb Bahrlohn bezieht. 1845 werden 4 Heller und 2 Pfund Brot je Stück und für je drei ein Laib Brot vereinbart. Nicht zuletzt die Gänse nötigten die Gemeinde, einen Pfandstall zu mieten. In ihn trieb der Feldschütz die im Feld angetroffenen Gänse und verwahrte sie bis zur Abholung durch den Eigentümer.

Die Gemeindebehörde Lingelbachs ließ sich die Förderung der Viehzucht angelegen sein. Mögen die Verhandlungen oft kleinlich anmuten, sie entsprangen der Verantwortung und Sorge und ehren die Räte von einst.

Die sozialen Verhältnisse der Einwohner Lingelbachs um 1775

Lingelbach war damals ein reines Bauerndorf. Alle seine Einwohner waren landwirtschaftlich tätig, doch waren sie nicht alle Eigentümer von Boden. Es hatte, neben der Kirche, dem Pfarrgehöft, der Schule und einem im Besitz der Freiherrn von Dörnberg befindlichen Försterhaus, 67 Häuser. Seine bauliche Ausdehnung entsprach wohl den in einer Karte aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgezeichneten Grenzen, deren Verkleinerung für den Anhang der Chronik vorgesehen ist. Sie lässt sich außerdem aus dem Abschnitt, der die Geschichte der einzelnen Häuser bietet, rekonstruieren. Der Anzahl um 67 Häuser entspricht die lange übliche Aufteilung der auf den Gemeindebesitzungen ruhenden Lasten in 67 Teile.

Der Anteil am Gemeindenutzen betrug gleichfalls 1/67 und wird für 1775 mit 13 Albus angegeben. Der Gesamtgemeindenutzen betrug demnach 67 x 13 = 871 Albus = 29 Rtl. 1 Albus oder 163 Tagelöhne.

Die Mehrzahl der Einwohner war Hausgesessene. Es gab damals ein gutes Dutzend Beisitzer, das sind Leute, die in einem ihnen nicht gehörenden Haus ein rechtlich begründetes Unterkommen fanden.

Die Hausgesessenen lassen sich in folgende Klassen einteilen:

1) Erbbauern,    der Landesherrschaft,
                        dem Freiherrn von Dörnberg,
                        dem hiesigen Pfarrer dienst-
                        fron und zehntpflichtig aber lehenfrei,

2) Erbköttner,   der Landesherrschaft
                        dem hiesigen Pfarrer spannpflichtig,
                        dem Freiherrn von Dörnberg
                        handfronbar und zehntbar

3) Inhaber von Erbgütern, wohl dienst- aber nicht zehntfrei.

4) Inhaber von Lehensgütern, auf den doppelten Fall den Herren von Hessen-Darmstadt lehnbar.

5) Inhaber von Rottland, das dienstfrei aber zehntpflichtig war.

Die Entstehung dieser Gruppen hängt zweifelsohne mit der geschichtlichen Entstehung zusammen. Auch aus der Anzahl der einzelnen Güter sind die in einem vorhergehenden Abschnitt gefolgerten Schlüsse möglich. Die Erbgüter gelten wohl noch 1775 als freies Bauernland.

Ihr Gegenteil sind die Lehensgüter, deren Inhaber nicht Eigentümer des Bodens, sondern nur Entleiher sind. Die Rechtsverhältnisse werden aus den Lehensverträgen ersichtlich.

Es sei deshalb ein solcher in den Akten erhaltener Vertrag hier mitgeteilt. Er hat gegenständliche Geltung für das heutige Wohnhaus Nr. 61, gilt aber grundsätzlich für alle Lehensverhältnisse.

Das besagte Haus hatte bis dahin dem von Dörnbergschen Förster als Wohnung gedient. Der Rat nahm, als es zur Erb-leihe gegeben wurde, die Oberlehnbarkeit für "diese Immobilien" in Anspruch. Dem widersprachen die Freiherrn von Dörnberg mit der Gründung der Allodial-Analität, d.h. des Alleineigentumsrechtes.

Der Vertrag hat folgenden Wortlaut:

"Per Januar 1846 besitzen Ackermann Kaspar Lippert und Ehefrau Christin geb. Lippert nach gerichtlichem Vertrag vom 8.8.1845 von der Familie Freiherr von Dörnberg - Linie Herzberg und Hausen - zu einer Wohn- und echten Erbleihe, fusend auf dem ehrlichen Leibeserben des jedesmaligen Erbleiständers übergeht und sowohl bei Sterbefall des Herrn Seniors der Freiherrn von Dörnbergschen Familie als auch bei Sterbefällen der Erbleihständer, mittels Verbriefung erneuert und wovon in Veräußerungsfällen (1) eine Summe von 5 pct. vom Kaufgeld entrichtet werden.

Das Haus Bauversicherungsnummer 61 (1) Erbübergaben zu Lebzeiten des seitherigen Erbleiständers.

PN.: Der Staat nimmt nach Behauptung des Kurfürstlichen Lehnhofes in Kassel die Oberlehnbarkeit von diesen Immobilien in Anspruch, wogegen jeder der Freiherrn von Dörnberg Widerspruch eingelegt haben und die Allodialqualität behauptet haben.

Generaliter von dieser Erbleihe an die Freiherrn von Dörnberg - Linie Herzberg und Hausen - zur Gesamtrenterei in Breitenbach

a) jährlich 5 Thaler Lehenzins zu Martinitag fällig

b) beim Sterbefall des Herrn Seniors obgedachter Linie:

    5 Thaler Lehensgeld, tut ad 1/30 jährlich

    5 Silbergroschen,

    1 Thaler Liegegeld,

    1 Thaler Schreibgebühr.

c) Beim Sterbefall des Erbleiständers:

    5 Thaler Lehensgeld,

    6 Thaler Vormannsgeld (tut zu 1/30

    jährlich 6 Silbergroschen),

    1 Thaler Liegegeld,

    1 Thaler Schreibgebühr.

    Und 5 Silbergroschen Vormanns-Ortsgulden.

Z.V.: Bei der ersten Erwerbung dieser Erbleihe ist ein Allodialkapital von 300 Rtl. stiguliert worden, welches zum Abtrag mit 5 pct. zu verzinsen ist."

Der aus vorstehender Niederschrift ersichtliche Streit derer von Dörnberg mit dem Staat kam vielleicht nicht zur endgültigen Entscheidung, weil der Erbleihvertrag im Zuge der damals entstehenden sozialen Umgliederung am 30.3.1852 auf gerichtliche Verfügung gelöscht wurde.

Lingelbach hatte 1775 zwei halbe Lehnsgüter, die ursprünglich ein ganzes Gut darstellten. Es dürfte anfänglich von der Hofstelle aus, die im Volksmund "der Hof" heißt, bewirtschaftet worden sein.

Die Erbbauerngüter werden aufgeführt als ein Eintel-(1/1)Erbbauerngut, ein halbes Erbbauern- und ein viertel Erbbauerngut. Diese aktenmäßige Festlegung geschah der Lasten wegen. Teilten sich etwa zwei Brüder ein Eintel-Erbbauerngut, so übernahm ein jeder von ihnen auch die halben Lasten. Die Lasten und Abgaben gliedern sich hinsichtlich der Abgaben in ständige und nichtständige, bezüglich der Dienste in gemessene, d.h. rechtlich festgelegte, und ungemessene, d.h. im Laufe der Jahre geforderte.

Ein Teil der Dienste ruhte auf dem Gut. Sie heißen reale, auch auf der Person, die personalen. Auch Bezeichnungen sind dinglich und persönlich. An dinglichen ständigen Lasten hatte jeder Hausbesitzer das Rauchhuhn zu bringen. Der Name Rauchhuhn ist abgeleitet aus der gesetzlichen Vorschrift, nach der es jedermann, der "Rauch hält" zu geben hatte.

Geliefert wurden sie im Sommer und, wie der Lingelbacher Volksmund erzählt, konnte folgendes geschehen:

Eine Bäuerin lieferte die Glucke als Rauchhuhn. Da der Herzberg zur Rauchhuhnzeit Überschuß an Hühnern hatte, "versilberte" man sie zum Teil. Der Ortspfarrer in Lingelbach erstand eines käuflich - vielleicht auch als Geschenk - und erwischte ohne sein Wissen die besagte Glucke. Als er sie zu Hause aus dem Sack ließ, eilte sie spornstreichs auf ihren alten Hof, allwo man sie erstaunt und verwundert mit der freudig erregten Feststellung: "Die Gluck ist wieder da", willkommen hieß.

Auf den Gütern nutzten meist Hähne, hin und wieder auch Gänse, als Abgaben. Während erstere im Herbst zu liefern waren, dürften letztere das Weihnachtsfest auf dem Herzberg verschönt haben. Aus einem alten Quittungsbuch ist ersichtlich, dass diese Abgaben auch in Geld gebucht werden konnten. Der Eintrag besagt, dass Georg Schmidt 1778 an Grundzins 11 Albus 4 Heller, ein Huhn 3 Albus 6 Heller, 7 Stück Hahnen 12 Albus 4 Heller, eine halbe Gans 4 Albus 6 Heller, Fasthuhngeld 16 Albus zahlte. Zusammen 1 Rtl. 15 Albus 7 Heller. Unterschrift: W. Frey.

Eine weitere ständige Last war der Grundzins, der von bestimmten, aber nicht allen Parzellen erhoben wurde. Auf dem Wege zur Verpfändung seitens der Grundherrn scheint er an die verschiedenen Empfänger gelangt zu sein. Andere Äcker waren mit der 11.Garbe belastet. Sie wurde von dem Beauftragten des Grundherrn auf dem Feld gezählt, in besonderen Haufen zusammengestellt und mit besonderem Kennzeichen versehen. Bei der Abfahrt mussten erst diese Haufen nach Huhnstadt gebracht, dann erst durften die eigenen heimgefahren werden.

Huhnstadt galt damals als Vorwerk zum Herzberg und enthielt die Zehntscheune. Ganz früher müssen die Fuhrwerke allerdings zum Schloss selbst gefahren sein; denn dorthin führt der "Zehntweg". Fast jede Ackerparzelle war zehntbar. Zehntfrei war das Erbland der Erbgüter (nicht das Erbbauernland) und das Rottland. Wiesen waren nur vereinzelt zehntpflichtig. Neben der 11. Garbe waren manche Äcker mit einer Abgabe von Körnern belastet.

Es Zehnteten also die Inhaber Erbbauern-, Erbköttner- und Lehensland. Das in vorstehender Quittung erwähnte Fastenholzgeld wird in den Akten als Winterfastenholzfuhrgeld bezeichnet und dürfte eine ursprünglich dingliche, später in Geld abgelöste Last der Inhaber von Erbbauerngütern gewesen sein.

Eine unständige Last war die Kontribution. Sie stand für jeden Besitz fest und richtete sich nach dessen Größe und Wert. Die Veranlagung bestand in Friedenszeiten stillschweigend und trat im Kriegsfall in Kraft. Eine andere Seite aus dem vorerwähnten Quittungsbuch bestätigt den Empfang der Kontribution in folgender Zusammenstellung:

Für Mai eine Contribution                                                       18 alb. 8 h.

Für Mai eine Contribution zu Gemeindeunkosten                      18 alb. 8 h.

Pro Juni eine Contribution                                                       18 alb. 8 h.

Erhebgebühr pro Person 1 halbes Jahr á 2 Quart.                       2 alb. 3 h

Personalsteuer pro Anw.; May of Juni                                     19 alb. 8 h.

Pro Juli eine Contribution                                                       18 alb. 8 h.

Eine Contribution pro Gemeinde                                            18 alb. 8 h.

Personalsteuer pro Schl. i.                                                                  6 alb. 5 h.

Für August ordinäre Contribution                                          18 alb. 8 h.

Personalsteuer dito                                                                 6 alb. 5 h.

Eine Contribution zu Gemeindekosten                                    18 alb. 8 h.

Pro September ordinäre Contribution                                     18 alb. 8 h.

Personalsteuer                                                                        6 alb. 5 h.

Eine Contribution zu Gemeindekosten                                   18 alb. 8 h.

Pro Oktober                                                                         16 alb. 6 h.

Pro November                                                                      16 alb. 6 h.

Pro Dezember                                                                       16 alb. 6 h.

Die Seite entstammt dem Jahre 1813. Eine ähnliche ist ihr für 1812 vorausgegangen. Die Kontribution ist die Kriegssteuer, mit der der Zug Napoleons nach Russland einen Lingelbacher Hof belastete.

Ein Auszug aus dem Kataster der Dorfschaft Lingelbach aus dem Jahre 1789 gibt die Besitz- und Lastenverhältnisse wie folgt an:

(Zeichenerklärung)

+ = Erbköttnergut, O% = Erbbauerngut, XO = Lehensgut, b = Erbland, Pf = Pferde, O = Ochsen, K = Kühe, Sch. = Schafe, Hu = Rauchhuhn, Ha = Hahn, G = Gans, F = Fastenwinterholzfuhrgeld, D = Freiherrn von Dörnberg, R = Renterei Neukirchen, S = Herrn von Schwaertzel Willingshausen, P = Pfarrer hier, PB = Pfarrer Breitenbach, Ki. = Kirchenkasten, RG = Renterei Grebmann für den Landesherrn von Hessen-Waldeck

Ka-
tas-
ter-
Nr.

Besitzer 1789

Charakter Größe des Betriebes

Pf.

O.

K.

Sch.

Abgaben

1

Schäfer, Joh., Ackermann u. Leinenweber

+

103,5 Acker

-

4

2

40

D

1 Hu, 5 Ha, 11. Garbe, 2 Metzen Korn, 2 Metzen Hafer

2

Allendorf, Eckh.

+

7 7/8 Acker

-

2

-

D

1 Hu, 11. Garbe, 1 Ha, P. u. K.

3

Schäfer, Joh.

+

16 Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 5 Ha., 11 Garbe, P. PB, Ziegenhausn u. Frielingen

4

Muhl, W.

+

10 Acker

-

-

-

-

D

1 Hu. P.

5

Stein, Heinr., Ackermann u. Schmied

+

25 Acker

-

2

2

-

D

1 Hu. P

6

Sachs, Konr. Ackermann u. Schmied

+

21 Acker

-

-

3

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

7

Jäckel, Joh. H.

+

1 Acker

-

-

-

-

D

1 Hu. P.

8

Böttner, Andreas Ackermann u. Schmied

+

2 Acker

-

-

-

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P., D. Beisitzergeld

9

Schmidt, Wilh.

+

13 Acker

-

-

2

14

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

10

Gümbell, Joh.II Ackermann und Schmied

+

27,5 Acker

-

2

2

-

O

1 Hu., 11. Garbe, P.

11

Ritter, Christ.

O ½, X
 ½

67 1/2 Acker

-

?

?

?

D

1 Hu., 11. Garbe, 3 Ha., 5 M. Korn. 5 M. Hafer, K. P. PB

12

H. Orthwein

+

23 Acker

-

2

1

-

D

1 Hu., 11. Garbe, Pf.

13

Kaufmann, K.,

+

9 ½ Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

14

Wettlaufer

+

7 Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

15

Schmidt. P.

O ½

62 Acker

-

4

1

10

D

1 Hu., 11. Garbe, 7 Ha., P., 11. Garbe, PB

16

Lippert, Joh.

O ½

55 Acker

-

4

2

20

D

1 Hu., 11. Garbe, P. 11. Garbe

17

Gemmer, Joh.

+

64 Acker

-

2

1

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P. 11. Garbe

18

Reydt, L. Ackermann u. Forstl.

+

11 Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P. 11. Garbe

19

Euler, Konr.

O ½

39 Acker

-

2

2

2

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

20

Gimbell, B. Ackermann u. Leineweber

O ½

42 Acker

-

2

1

5

D

1 Hu., 11. Garbe. P.

21

Ber, Joh. Heinr.

O

130 ½ Acker

-

4

3

50

D

2 Hu., 6 Ha., 11. Garbe, F. 4 M. Korn, 4 M. Hafer

22

Schäfer, Joh.

+

52 Acker

-

2

1

-

D

1 hu., 2 Ha., 11. Garbe, P.

23

Muhl

+

4 Acker

-

-

-

-

D

1 Hu.

24

Koch, Wiegand Ackermann u. Schreiner

+

16 Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

25

Schäfer, Wiegand

+

13 Acker

-

-

1

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

26

Lippert, Joh. F.

O ½

123 Acker

-

4

2

30

D

1 Hu., 1 Ha., 11. Garbe, 6 M. Korn, 6 M. Hafer, F. P. G.

27

Ritter, Kaspar

O ½

118 Acker

-

4

2

40

D

1 Hu., 1 Ha., 11. Garbe F. P.

28

Kehl, Nikol.

O

44 Acker

-

4

1

5

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

29

Schreiber, Friedr.

+

50 Acker

-

4

2

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

30

Wilker, Friedr.

O ¼

38 Acker

-

2

4

10

D

1 Hu., 1 Ha., 11. Garbe, P.

31

Mathes, Konr.

+

41 Acker

-

2

1

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

32

Schäfer, Joh. jun.

O ¼

87 Acker

-

4

2

30

D

1 Ha., 11. Garbe, P.

33

Stein, Urias, Ackermann u. Schmied

+

14 2/3 Acker

-

-

1

-

-

34

Pritzius, Phil.

O ¼

35 ½ Acker

-

2

1

20

D

1 Hu., 11. Garbe, 5 M. Korn, 5 M. Hafer, P.

35

Glebe, Valentin Ackermann u. Schmied

+

3 Acker

-

-

1

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

36

Stein, Konr.

O

85 Acker

-

4

2

40

D

1 Hu., 1 Ha., 11. Garbe, 6 M. Korn, 6 M. Hafer, F. P. Ki.

37

Peter, Andreas

O ¼

43 ½ Acker

-

4

1

10

D

1 Hu., 2 ½ Ha., 11. Garbe, P.

38

Herget, Wiegand

O
¼

39 Acker

-

2

1

10

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

39

Schwalm, Joh.

+

3 Acker

-

-

-

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

40

Falk, Abel

+

7 Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 2 Ha., 11. Garbe, P.

41

Kurtz, A.

Ackermann u. Schmied

+

8 ¼ Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

42

Lippert, Paul

+

61 Acker

-

-

-

-

D

1 Hu., 11. Garbe, K., P., Ziegenhain

43

Lippert, W.

+

12 ¾ Acker

-

-

2

-

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

44

Eisenach, Karl

nur Haus, nährt sich von Almosen

D

1 Hu.

45

Geisel, Jakob

+

1 ¾ Acker

-

-

1

-

D

1 Hu.

46

Wedell, Melchior, Acker- u. Zimmermann

+

25 1/8 Acker

-

2

-

-

D

1 Hu. 11. Garbe, P.

47

Spohr, Henrich

O

50 ½ Acker

-

4

1

10

D

1 Hu., 1 Ha., 11. Garbe, P.

48

Rüffert, Henr. Ackermann, Schmied

O
½

57 1/8 Acker

-

2

2

10

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

49

Orthwein, Konr.

O
½

52 3/8 Acker

-

2

1

-

D

1 Hu., 1 Ha., 1 G., F., 11. Garbe, P.

50

Noll, G.A.

O
½

63 ½ Acker

-

?

?

?

D

1 Hu., 4 ½ Ha., ½ Ha., F., P.

51

Schäfer Henr., sen.

O
½

65 ¼ Acker

-

4

2

20

D

1 Hu., 11. Garbe, 5 Ha., F., P.

52

Lippert, Konr., Ackermann u. Leineweber

X
 ½
O ½

34 ½ Acker

31 Acker

-

-

-

4

-

2

-

20

D

1 Hu., 2 Ha., 11. Garbe, P.,K.

53

Karius, Nik.

+

25 3/8 Acker

-

2

1

-

D

1 Hu., 2 Ha., 4 G., 11. Garbe, P.

54

Eysenbach, Z. Ackermann u. Leineweber

+

38 ½ Acker

-

2

1

-

D

1 Hu., 2 Ha., 11. Garbe, P.

55

Hendtz. Andr.

Ackermann u. Leineweber

+

47 3/8 Acker

-

2

1

20

D

1 Hu., 9 Ha., 11. Garbe

56

Schneider, andr.

+

3 Acker

-

-

1

-

D

1 Hu., 11. Garbe

57

Lippert, Joh.

O
¼

50 Acker

-

2

1

7

D

1 Hu., 11. Garbe, P. Ziegenhain

58

Schäfer, Andr.

+

54 ½ Acker

-

4

2

30

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

59

Stein, Urias

+

45 ½ Acker

-

4

2

30

D

1 Hu., 11. Garbe, P.

60

Meyer, Peter, Ackermann u. Weber

+

23 ½ Acker

-

-

2

-

D

½ Hu., 11. Garbe, P.

61

George, Heinr.

+

26 Acker

-

2

1

-

D

½ Hu., 11. Garbe, P.

62

Gischler, Anton

+

11 3/8 Acker

-

-

1

-

D

1 Hu., 11. Garbe

63

Dippel, Joh., Ackermann u. Müller

b

75 Acker

1

2

2

30

D

1 Hu., 1 G. 11. Garbe, Wasserzins, F., P.

64

Düppel, Andreas, Ackermann u. Müller

b

96 ½ Acker

1

4

2

40

D

1 Hu. 11. Garbe, F., Wasserzins

65

Schäfer, Joh.

b

64 ¾ Acker

-

2

1

15

D

1 Hu., 11. Garbe, F.

66

Spohr, Jak.

+

26 Acker

-

2

1

-

D

½ Hu., 11. Garbe, P.

67

Schäfer, Andreas

+

21 Acker

-

?

?

-

D

1 Hu., 11. Garbe

Insgesamt leistete die Dorfschaft Lingelbach folgende Dienste und Abgaben - ohne die 11. Garbe -:

A) Ständige Abgaben an die Landesherrschaft:

a) über die Renterei in Ziegenhain

2 Reichsthaler 11 Albus 4 Heller

b) über die Renterei in Neukirchen

1 Reichsthaler 25 Albus 1 Heller

                B) An den Landgrafen zu Hessen-Darmstadt:

a) Renterei Grebenau

31 Albus 1 Heller und 4 Hähne

b) Renterei Alsfeld

11 Albus und 2 Hähne

c) An die Universität Gießen

6 Albus und 2 Hähne

                C) An die Herrn von Dörnberg

57 Reichsthaler 21 Albus 9 Heller und 63 Rauchhühner, 17 Gänse, 17 Hühner, 134 Hähne, 3 Viertel 2 Metzen Korn, 3 Viertel 2 Metzen Hafer in Hersfelder Maß,

an Wasserzins 1 Reichsthaler 13 Albus 6 Heller,

an Mühlzins 1 Reichsthaler 13 Albus 6 Heller

                D) An die von Fulda in Immichenhain

3 Albus und 3 Hühner

                E) An die von Schaertzel in Willingshausen

                19 Albus 6 Heller

                F) An den Landrat von Meißenbach in Frielingen

                19 Albus

                G) An den Kirchenkasten in Lingelbach

                1 Reichsthaler 10 Albus 6 Heller

H) An den Pfarrer von Lingelbach

4 Reichsthaler 1 Albus 6 Heller

I)?An den Pfarrer von Breitenbach

5 Reichsthaler 1 Albus 6 Heller

An Fahrdiensten waren zu leisten:

A) ?Ständige für die Landesherrschaft:

?Brennholz fahren für die Besatzung auf dem Herzberg (Invaliden) 3 Klafter mit 9 Wagen.

B)?Unständige:

?Festungsbaufuhren nach Ziegenhain:

durchschnittlich jährlich 3 vierspännige Wagen je 3 Tage Zeit,

Brückenbaufahrten nach Obermellrich, Gen-sungen, Uttershausen und Werne, durchschnittlich jährlich 8 vierspännige Wagen je 3 Tage Zeit.

Diese Fahrten sind durch Geld abgelöst (je Wagen 4 - 5 Reichsthaler).

Pflichtig für diese Dienste sind Erbbauern und Erbköttner.

C)?Gemessene Dienste - von Erbbauern- und Erbgütern - sind zu leisten:

Für die Freiherrn von Dörnberg:

130 Tagewerke (Tw.) pflügen,

65 Tw. eggen,

13 Tw. Brachfeld eggen,

26 Tw. am Herzberg ackern,

80 Tw. Mist fahren in Huhnstadt,

10 Tw. Heu fahren,

18 Tw. Grummet fahren,

40 Tw. Frucht fahren in Huhnstadt,

10 Tw. Baumaterial fahren auf dem Herzberg,

10 Tw. Baumaterial fahren auf Huhnstadt,

8 Tw. Baumaterial fahren auf Herzberg,

5 Tw. Flachs- und Kartoffelfuhren,

5 Tw. das selbe Herzberg.

Zusammen: Von 26 Spanndienstpflichtigen sind 460 Tw. zu leisten

An den Handdiensten waren die Spanndienstpflichtigen nur teilweise beteiligt. Sie betrugen insgesamt 1176 Tagewerke Handfron und 144 Tagewerke Jagddienste und verteilen sich auf 48 Pflichtige. In obiger Angabe mit enthalten sind die nur von 33 Köttnern zu leistenden Handdienste von insgesamt 825 Tagewerken, dazu treten Botengänge und weitere 148 1/2 Tagewerke für den Pfarrer von Lingelbach: Bestellung des Pfarrgutes durch Bauern und Köttner (48 Mann) = rd. 120 Tagewerke.

Endlich schuldeten die Bauern, soweit sie Schafhalter waren, den von Dörnberg den Trifthammel und dem Förster das Pferchgeld. Auch der Waldhafer war - zuletzt im Sinn des Waldhafergeldes - zu leisten. Es kostete pro Kuh und pro Schwein eine Metze Saathafer.

Insgesamt lastete also auf den Höfen eine ungeheure Last. Ein Lingelbacher Bauer, der 62 Acker Land besaß, war an den Diensten mit 8 Arbeitswochen = 1/6 Arbeitsjahr und an den Abgaben mit etwa 20 Tagelöhnen beteiligt. So musste außerdem jede 11. Garbe geliefert werden.

Laut Kataster wurden ihm am Kontributionswert für die Dienste 14 Reichsthaler 25 Albus ein 3/10 Heller gutgeschrieben. Das entspricht sogar rd. 89 Tagelöhnen.

Das sind ungeheure Leistungen einer Dorfschaft für die Grundherren. Das Maß der Pflichten war gerüttelt voll und nicht leicht die Summe der Lasten. Das deutsche Bauerntum überwand und überstand auch diese Zeiten, die im vorigen Jahrhundert in den Bauernbefreiungen ein Ende fand.

Diesen Pflichten standen allerdings auch Rechte gegenüber. Im einzelnen waren die Bauern und Köttner berechtigt zum Erhalt von:

1. Brennholz,
2. Wertholz,
3. Geschirrholz,
4. Hürdegerten,
5. Streu,
6. zur Hute aus bzw. in den von Dörnbergschen Waldungen.

Der Wert dieser Bezüge wird aus einer der folgenden Abhandlungen ersichtlich. Die Verfasser der Vorbeschreibung zum Kataster bezeichnen sich ausdrücklich als persönlich freie Leute, die Leibeigenschaft nie gekannt haben. Insofern war die soziale Lage der Einwohner Lingelbachs tatsächlich erträglich. Doch lassen die Angaben in vorstehender Übersicht erkennen, dass die Köttner meist einen handwerklichen Beruf ausübten. Die Wurzel dieser Einrichtung reicht gewiss hin bis in die Anfänge der Besiedelung, die Bedarfs nahm, neben den notwendigen landwirtschaftlichen Arbeitern auch die erforderliche Zahl Bauernhandwerker sicherzustellen. Die Schafzucht und der Anbau von Flachs begünstigten das Weberhandwerk. Die Dürftigkeit der Bodenerträge bewahrte die Handwerker nicht nur vor Aufgabe ihres Berufes, sondern lehrte sie, Ackermann und Handwerker zugleich zu sein.

Das Kapitel sei nicht abgeschlossen, ohne einige Berufe näher zu untersuchen. zunächst seien die beiden Müller von Konrode in den Blickpunkt gerückt.

Der Lingelbach selbst ist zu schwach, um Mühlen zu treiben. Er lebte im Bewusstsein der Lingelbacher so wenig als Bach, dass man 1777 behauptete einen Bach nicht zu besitzen. Lingelbachs Einwohner ließen deshalb in Konrode mahlen, wo die Berfa auf dem unteren und oberen Konrod je eine Mühle trieb. Zwar führte auch die Berfa nur eine Wassermenge, die niemals ausreichte, die an beiden Mühlen vorhandenen zwei Gänge, von denen jeder an einem besonderen Rad hing, gleichzeitig anzutreiben.

Jeder der beiden Müller bewirtschaftete hauptberuflich ein Erbgut. Diese Güter waren also zehntfrei, wohl aber dienst- und zinsbar. Sie unterstanden der Grundherrlichkeit derer von Dörnberg. Ihnen schuldeten sie deshalb den für die Benutzung der Wasserkraft zu entrichtenden Wasser- und Mühlenzins in Höhe von 1 Reichsthaler 18 Albus 6 Heller. Außerdem hatte jeder der Müller dem Grundherrn einen Hund - der von Unterneurode einen Hatzhund, der von Mittelneurode einen Schweißhund - zu füttern.

Jeder der beiden Mühlen hatte zwei Gänge, die untere einen Mahl- und Schneidegang, die mittlere einen Mahl- und Schlaggang. Jeder dieser Gänge wurde auf jeder Mühle von einem bestimmten Rad angetrieben.

Die Räder maßen auf dem unteren Konrod je 17 Schuh Höhe (= Durchmesser), auf dem mittleren nur 12 Schuh (1 Schuh = ? cm). Für Unterkonrode werden sie ausdrücklich als oberschlägig bezeichnet, für Mittelkonrode bezeugt die heutige Beschaffenheit der noch vorhandenen, allerdings stillgelegten Mühle die gleiche technische Anordnung.

Der Schlaggang Mittelkonrodes bestand aus sechs Stampfern und einem Rümmler. Der Rümmler war ein Baum, an dem die Stampfer hingen. Er wurde von einer besonderen Vorrichtung des Rades gehoben. Von ihm wurde den Müllersleuten Dippel einmal ein Kind erschlagen.

Es ist schon gesagt, dass keiner der Müller die beiden Gänge gleichzeitig arbeiten lassen konnte. Wurde geschnitten oder geschlagen, standen die Mahlgänge.

Es wäre auch nicht Arbeit genug vorhanden gewesen, obgleich beide Mühlen nach unseren heutigen Leistungsvorstellungen nur langsam arbeiteten. Der Unterkonroder Meister gibt um 1775 die Tagesleistung seines Mahlganges in 24 Stunden mit einem Viertel = 208 Pfund an. Aus den nachfolgenden Angaben lassen sich 155 Mahltage errechnen, zu denen aus den Angaben über den Schneidebetrieb errechenbar, rd. 26 Schneidetage kommen.

Es bestand kein Mahlzwang. Auf der Kundenliste des Unterkonroder Meisters Dippel stehen in dem erwähnten Jahr 1775 achtzehn Familien mit zusammen hundertelf Personen. Da er das Mahlgut an- und abzufahren übernommen hatte - auch der Mittelkonroder Meister leistete diesen Dienst am Kunden - benötigte jeder ein Pferd. Darum gehen die beiden einzigen Pferde Lingelbachs in jener Zeit auf Konrode.

Meister Dippel stellte auf Ersuchen der Gemeindebehörde Lingelbach folgende Rentabilitätsberechnung auf und gab sie der hohen Verwaltung zu Protokoll:

Die Einnahmen:

Bei einem angenommenen Bedarf pro Familie und Jahr von 8 Vierteln = 18 x 8 Viertel = 144 Viertel.

Bei einem angenommenen Bedarf pro Person und Jahr von 1 Vierteln = 111 x 1 ½ Viertel = 166 ½ Viertel.

Der Durchschnitt aus der Summe dieser Annahmen = 155 Viertel 4 Metzen.

(Woraus zwischen den Zeilen hervorgeht, dass ½ Viertel 8, ein Viertel also 16 Metzen maß und eine Metze den 16. Teil von 208 Pfund = 13 Pfund wog. Der Verfasser)

Davon bekommt er ein Sechszehntel als Molter - ohne weiteren Fuhrlohn = 9 Viertel Metzen. Das Viertel Korn kostete damals 3 Reichsthaler. Seine Molter ergibt somit eine Einnahme von 26 Reichsthalern 3 Albus 6 Heller.

(Hier ergibt sich zwischen den Zeilen die Gleichung:

1 Reichsthaler = 32 Albus,
1 Albus = 12 Heller,
1 Reichsthaler = 384 Heller,
1 Reichsthaler = 3,20 Mark,
1 Albus = 10 Pfennig,
1 Heller 5/6 Pfennig
Der Verfasser)

Hier sei auch einmal folgender Vergleich gezogen: Die Angaben des Verfassers, pro Person und Jahr 1 ½ Viertel bedeuten, dass die Person 312 Pfund mahlen ließ. Unsere Selbstversorger-Ration zu Beginn des Krieges betrug 13 x 13,5 kg = 175, 5 kg = 351 Pfund.

Kehren wir aber zu Meister Dippels Bilanz zurück:

Zu den Einnahmen aus dem Mahlgang bringt ihm sein Schneidebetrieb bei 14 Schuh Tagesleistung und 1 Heller Lohn pro Schuh jährlich rd. 10 Reichsthaler. Das ergibt eine Roheinnahme von 39 Reichsthalern 3 Albus 6 Heller.

Seine spezifizierte Ausgabenliste stellt diese Einnahmen den Ausgaben gegenüber:

Wasser- und Mühlzins 1 Reichsthaler 13 Albus 6 Heller
Füttern des Hundes 2 Reichsthaler
Für Pferd und Fuhrknecht 10 Reichsthaler
Bau- und Reparaturkosten 12 Reichsthaler
Zusammen im Jahr 25 Reichsthaler 13 Albus 6 Heller

Bleibt ein Profit (so nennt der Meister seinen Überschuß) von 12 Reichsthalern 22 Albus.

Der damals in Mittelkonrode ansässige Meister Dippel gibt folgende Bilanz zu Protokoll.

Kunden :

17 Familien mit 93 Personen. In der obigen Weise ergibt das eine durchschnittliche Jahresleistung von 8 Vierteln Samen oder Lein oder einen Lohn von 1 Albus pro Metze

(8 Viertel = 128 Metzen) = 128 Albus = 4 Reichsthaler.

Seine Roheinnahmen betrugen also nur 29 Reichsthaler 26 Albus. Seine Ausgabenliste weist sachlich die gleichen Positionen auf, kommt aber rechnerisch nur auf 22 Reichsthaler 23 Albus. Sein Profit beträgt also 7 Reichsthaler 3 Albus.

Zahlenmäßig verdienen beide Meister nur bescheiden.

Vor allem betragen die Ausgaben einen achtbaren Prozentsatz der Einnahmen. Legen wir den damals übliche Tageslohn von 5 Albus 4 Heller zu Grunde, blieben dem Unterkonroder Meister für 180 Arbeitstage nur 76 Tagelöhne, dem Mittelkonröder Meister nur 41 Tagelöhne. Wir begreifen die stumme, zwischen den Zeilen einhergehende Klage der Meister.

Aus dem Leben des Lingelbacher Schankwirtes

Auch er war nur nebenberuflich Wirt. Um 1775 besaß der Bauer Christoph Rüffer die Freiherr-von-Dörnbergsche Konzession, im Haus Nr. 12 eine Dorfschänke zu betreiben. Zu dessen Hofreide zählte damals das Stammhaus der heutigen Gastwirtschaft Lippert, deren Inhaber bis heute Wirts heißen, obgleich ein zweiter Wirt vorhanden ist. Das Bier bezog der damalige Wirt aus den von Dörnbergschen Brauerrein in Huhnstadt. Die Freiherren hatten ihm das Amt eines Zollhebers übertragen und forderten von ihm für erhobenen Kreuzzoll und an Zugpferden zusammen 20 Reichsthaler jährliche Abgabe. Das Ohm Bier stellte man ihm mit 2 Reichsthaler in Rechnung (1Ohm=20 Viertel=320 Schoppen) Der Jahresumsatz betrug 16-17 Ohm Bier und 1 Ohm Branntwein. Es ist zu vermuten, dass er den Branntwein von einer im Ort vorhandenen 5 „Branntweinblasen" bezog. Ein dieser Blasen war im heutigen Decherschen Hof, eine andere in Konrode aufgestellt. Wo die drei restlichen standen, war seither nicht feststellbar.

Die Besitzer der Blasen schuldeten der Landesherrschaft keine Abgaben, wohl aber der Grundherrschaft auf dem Herzberg pro Balse und Jahr 3 1/3 Reichsthaler.

Im übrigen soll die Gemeinde Lingelbach untreuiditionismagoram (nach einer häufigen Überlieferung) so sagt ein Urkunde – die Braugerechtsamkeit besessen haben.

Wie und auf was für eine Weise solche aber verloren gegangen ist, davon kann niemand eine gewissen Nachricht geben.

Die Branntweinblasen stellten nach einem einfachen Rezept Kartoffelschnaps her. Die Bäuerin Schwalm geb. Dippel (Kaspersch Karls verstorbene Ehefrau) hat als zwölfjähriges Mädel schon bei der Branntweinzubereitung mitgeholfen und wusste sich zu entsinnen, dass Lauterbach und „das Fuldische" die Hauptabsatzgebiete waren.

Kehren wir aber nun noch einmal zum Schankwirt ein.

Sein Jahresumsatz von 16 bis 17 Ohm beträgt also etwa 5300 Schoppen. Auf den Kopf der Lingelbacher Bevölkerung umgerechnet ergibt das bei rd. 750 Einwohnern rd. 7 Schoppen. Selbst unter Beschränkung der Bierkonsumenten auf ein Fünftel der Einwohner kämen auf den Mann je Jahr 35 Schoppen. Er, der Schankwirt hatte also einen bescheidenen Umsatz und brauchte wohl kaum einen besonderen Schankraum für seine wenigen Gäste. Es ist deshalb verständlich, dass man das Amt des Zollhebers mit der Schankkonzession koppelte.

Rückschauend auf die soziale Lage der Einwohner Lingelbachs ist festzustellen, dass sie vornehmlich vom Ackerbau lebten, dass ihre Nebenberufe in un- oder mittelbarer Verbindung zum Boden standen und alleine nicht imstande waren, ihren Mann zu ernähren.

Die Bauernbefreiung in Lingelbach

Ablösung der Pflichten

Die Vorbeschreibung zum Kataster der Dorfschaft von 1777 stellt die lasten und Pflichten der Lingelbacher Bauern wie folgt zusammen:

Spanndienste: 203 Wagen vierspanig, 234 Pflüge (zweispännig), 16 Wagen Konroder Wasserfuhren zum Herzberg (vierspännig), 601/2 Wagen zur Bergung der Ernte.

Handdienste: 23761/2 Tagewerke

Pfarrdienste: 10 Vierspänner Tagewerke (Mistfahren), 33 Tagewerke pflügen und eggen, 20 halbe = 10 Tagewerke Holz holen.

An Gebührnissen erhält der Pflüger 1 Laibchen Brot zu 1/2O, mittags Erbsen und Kraut und eine Portion Milch, Mittagessen wurde nur vor Michaeli gegeben. Ein Hafermäher in Huhnstadt erhielt 1/2Pfund Brot, Erbsen und Kraut und 1/2Pfund Fleisch. Auf dem Herzberg gab es Suppe und Gemüse, beim Pfarrer Brot und Handkäse.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts steht in Preußen die Befreiung der Bauern durch die Steinschen Reformen. Um 1840 erließ auch der Kurfürst von Kurhessen ein Gesetz zur Abschaffung der Lasten und Pflichten. Nicht abgeschafft wurden die Berechtigungen der Bauern. Aus den Ablösungsakten sei auszugsweise zunächst der Vertrag über die Abgabe der 11. Garbe wiedergegeben:

Geschehen Lingelbach, 18. Juli 1844

Gegenwärtig der Justizbeamte Wiliter und Astuar Wagner

Erscheinen vor dem hier zuvorstehenden Justizbeamten.

Für die Freiherrn von Dörnberg zu Herzberg und Hausen mit Vollmacht Anlage 1, der Amtsschuldheiß Karl Gundlach von Breitenbach

Die im Verzeichnis 2 aufgezählten Einwohner von Lingelbach zur gerichtlichen Bestätigung an:

„ Ich, der Amtsschuldheiß Gundlach erkläre hiermit unter Bezugnahme auf meine Vollmacht, dass die Familie der Freiherrn von Dörnberg zu Herzberg und Hausen, da´ihr an denjenigen Grundstücken der Gemarkung von Lingelbach, welche im Steuerbuchsauszug Anlage 3 verzeichnet sind, zustehend Recht auf Beziehung der 11. Garbe aufgibt, wenn die damaligen Eigentümer beziehungsweise Inhaber dagegen ein –Ablösungskapital von 8796 Reichsthalern 20 Silbergroschen (achttausendsiebenhundertsechsundneunzig Reichsthaler zwanzig Silbergroschen) entrichten wollen und verzichten.

Den unter 2 aufgeführten Einwohnern Lingelbachs gegenüber, nachdem dieselben als die Eigentümer oder Inhaber der fraglichen Immobilien ausgewiesen und die Zahlung der genannten Ablösungskapitals versprochen haben, verzichten sie hiermit in aller Form auf das bezeichnete Zehntrecht. Wir, die in Anlage 2 genannten Zehntpflichtigen, nehmen diese Ablösung an und versprechen, das Ablösungskapital von 8796 Reichsthalern 20 Silbergroschen mit Zinsen zu 5% vom 1. Dezember 1843 dafür zu bezahlen. Zugleich erklären wir, die Pflichtigen, dass wir hinsichtlich derjenigen Zehntpflichtigen Einwohner von Lingelbach, welche diese Urkunde nicht mit ausgestellt haben, sich aber aus der Zusammenstellung am Ende der Anlage 3 ergibt, das Zehntrecht mit übernehmen, so dass auch von den Grundstücken dieser Personen der Familie des Freiherrn von Dörnberg kein Zehnten mehr gebührt.

Schließlich erklären beide Teile, dass sie auf jede öffentliche Bekanntmachung dieser Ablösung Verzicht leisten."

vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
gez. Gundlach Kurt Heinrich Stein, Bürgermeister
mehr als 80 Lingelbacher Einwohner

Das im vorstehenden Vertrag genannte Ablösungskapital hatte man errechnet, indem man pro Acker Zehntpflichtigen Landes sechzweidrittel Taler errechnete.

Dieses Kapital vermochten die Lingelbacher Zehntpflichtigen weder aus eigener Kraft noch aus dem Gemeindesäckel aufzubringen. Sie nahmen deshalb ein Darlehen bei der Kurhessischen Landeskreditkasse in Kassel auf. Das Darlehen wurde als Hypothek in das Wirtschaftsregister eingetragen und war mit 3% zu verzinsen. In dem zu Anfang erwähnten Aktenstück finden sich zwei Empfangsbestätigungen.

Die erstere ist von Kurt Heinrich Stein, Heinrich Berg und Peter Karjes vollzogen und besagt, dass diese drei Männer das Darlehen empfangen hatten. Auf der zweiten quittiert der Amtsschuldheiß Gundlach den Empfang des Ablösungskapitals.

Dieses Kapital wurde dann von den Lingelbacher Bauern über die Gemeindekasse in jährlichen Raten an die Renterei in Neukirchen zurückgezahlt. Noch in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts finden diese Rückzahlungen statt.

Es haben also drei Generationen für die Zehntablösung schaffen müssen.

Der Pfarrzehnten wurde 1851 abgelöst. Für den Kasseler Acker wurden 18 Silbergroschen gefordert. Genau genommen hatte die Pfarrei demnach 811 Reichsthaler und 11 Silbergroschen und 8 Heller zu fordern gehabt, begnügte sich aber mit 810 Reichsthalern. Auch dieses Kapital wurde von der Landeskreditkasse geliehen und von den Dienstpflichtigen verzinst. Als Gesamtschuldner hafteten die Zehntpflichtigen Einwohner mit ihrem Vermögen.

Am 29. Juli 1851 löste man die Pfarrdienste ab. Die seither Dienstpflichtigen zahlten 410 Reichsthaler und 20 Silbergroschen. Nur 8 Einwohner konnten ihre Ablösung aus eigener Kraft zahlen. Die übrigen nahmen wiederum ein Darlehen von 400 Reichsthalern und 13 Silbergroschen auf, das sie mit 3 ½ % verzinsen mussten. Auch diese Summe wurde - wie die vorher genannte - als Hypothek auf ihren Besitz eingetragen.

Ein weiteres Aktenstück berichtet von der Ablösung der Pfarrabgaben. Es stammt vom 11. Juli 1853. Jede der bestehenden 8 Pferchgemeinschaften löste den seither schuldigen Trifthammel und die 20 Silbergroschen und 8 Heller Abbindegebühr durch Zahlung von 61 Reichsthalern und 17 Silbergroschen und 4 Heller ab. Das ergab eine Gesamtschuld von 492 Reichsthaler, 18 Silbergroschen und 8 Heller. Hierfür wurden wiederum 480 Reichsthaler als Darlehen aufgenommen und als Hypothek eingetragen. Am 22. Juli 1850 wurden die Abgaben und der Grundzins abgelöst. Die Freiherrn von Dörnberg hatten seither zu fordern:

38 Reichsthaler, 14 Silbergroschen, 1 dreiachtel Heller, 85 ¾ Gänse, 1 - 2 ½ Hähne, 90 ½ Rauchhühner, 2 Viertel 10 halbe Metzen Zinskorn, 2 Viertel 10 halbe Metzen Hafer, 9 Viertel 1 Metze Forsthafer. Sie verzichteten auf diese Forderung gegen eine einmalige Abfindung von 1877 Reichsthalern und 2 Silbergroschen und 14 Heller. Auch diese Summe wurde, wie die vorherigen, als Darlehen beschafft.

Im Jahre 1856 geschah dann die Ablösung der Spann- und Handdienste. Ihr Wert wurde errechnet, indem man vierspännige Fuhren mit je einem Reichsthaler, einen zweispännigen Pflugtag mit ½ Reichsthaler ansetzte. Hand- und Spanndienste ergaben einen respektablen Geldwert, den die ehemals Pflichtigen wiederum durch Darlehen aufbrachten.

Um ihrer Lasten und Dienste ledig zu werden, mussten also die Einwohner Lingelbachs ihren Grundbesitz hypothekisch belasten. Im folgenden sei an einigen Beispielen gezeigt, wie sich die Ablösung auf den einzelnen Hof auswirkte.

Der Bauer Schmidt hatte zu zahlen:

A)?für die Grundzinsablösungen an den Pfarrer in Lingelbach 2 Reichsthaler, 5 Silbergroschen 3 Heller, an den Pfarrer in Breitenbach 4 Reichsthaler 2 Silbergroschen 6 Heller, an die Freiherrn von Dörnberg 25 Reichsthaler, 17 Silbergroschen 7 Heller, an den Landesherrn 4 Reichsthaler 20 Silbergroschen.

B)? für die Ablösung der Lasten an die Freiherrn von Dörnberg (auf dem Prozesswege ermäßigt auf 60 Reichsthaler (gefordert waren 88 Reichsthaler), an den Pfarrer hier 11 Reichtaler 22 Silbergroschen.

C) Ablösung der 11. Garbe an die Freiherrn von Dörnberg 14 Reichsthaler 12 Silbergroschen, an den Pfarrer hier 14 Reichsthaler 26 Silbergroschen, an den Landesherrn 211 Reichsthaler 20 Silbergroschen (Betrag errechnet, urkundlich nicht belegt).

                D) für die Ablösung des Trifthammels (1/4¼ Anteil) 15 Reichsthaler 11 Silbergroschen 10 Heller.

Das sind zusammen 334 Reichsthaler 175 Silbergroschen 2 Heller.

Um dieselbe Zeit wurde der Hof gegen einen Übergabepreis von 1600 Reichsthalern übergeben. Er wurde also durch die Ablösung mit rd. 23 % seines Übergabewertes belastet.

Ein Köttnergut (Dippel) wurde wie folgt belastet: Zehnablösung an die Freiherrn von Dörnberg 145 Reichsthaler, an den Pfarrer hier 143 Reichsthaler 25 Silbergroschen, Ablösung des Grundzinses an die Freiherrn von Dörnberg 29 Reichsthaler 16 Silbergroschen 17 Heller, Ablösung der Lasten an die Freiherrn von Dörnberg 88 Reichsthaler, an den Pfarrer hier 11 Reichsthaler 22 Silbergroschen, Ablösung des Trifthammels ( ¼ Anteil) 15 Reichsthaler 11 Silbergroschen 10 Heller. Zusammen: 433 Reichsthaler 165 Silbergroschen 3 Heller.

Im Vergleich zum Schmidtschen Hof dürfte der Dippelsche einen Übergabewert von 1700 Reichsthalern gehabt haben. Er wäre dann mit 25,5 % seines Hofwertes belastet gewesen. Überlegen wir weiter, dass die Hofschaft der „befreiten" Bauern das Kapital verzinsen musste, es also in 30 Jahren nicht einmal, sondern zweimal aufzubringen hatte, so dürfen wir mit einer Wertminderung der Höfe durch die Bauernbefreiung um 50 % rechnen. Nörgler am Erbhofgesetz des Führers mögen selbst eine nachdenkliche Stunde an die Lektüre dieses Kapitels anfügen.

Die Ablösung der Servihutberechtigungen

Bei Ablösung ihrer Lasten blieben die Bauern zunächst im Besitze ihrer Berechtigungen. Die Grundherren waren nicht sogleich in der Lage gewesen, die Abfindungskapitalien zu zahlen. Sie konnten die an von den Bauern gezahlten Abfindungssummen ein ganzes Menschenalter verzinsen. Sie liefen also mit Zinsen auf das Doppelte auf.

Als sie sich ein Menschenalter später von ihren Pflichten gegen die Bauern loskauften, geschah das mit den Zinserträgen der bäuerlichen Gelder. Die Kapitalien von einst blieben als Vermögenswert nun angelastet. Die staatliche Gesetzgebung ermöglichte also den Grundherren die Bildung von Kapitalien. Ihnen kam das von den staatlichen Kreditinstituten den Bauern geliehene Geld zugute.

Der Bauer aber fronte weiter für die Zinsen, erlebte eine plötzliche Wertminderung seines Hofes und nicht jeder steuerte seinen Hof durch diese Krise, bis nach 30 Jahren dem Hof wieder Geld zufloss.

In jedem Falle aber bekam der Bauer wirklich die Zinsen seines vor 30 Jahren gezahlten Kapitals zurück, wurde also im Grunde genommen mit seinem eigenen Geld abgefunden.

Bis zum 13. 12. 1853 waren die Bauern Lingelbachs, d. h. diejenigen Grundbesitzer, die den Freiherrn von Dörnberg Fahrdienste zu leisten schuldig gewesen waren, und die Köttner, d. h. diejenigen Grundbesitzer, die früher handfronpflichtig gewesen waren, berechtigt pro Jahr und Recht je zwei von Dörnbergsche Klafter Derbholz á 5,2 Raummeter aus dem Forstrevier Lingelbach, wie es der Hieb bringt, zu beziehen.

Als Gegenleistung schuldeten sie denen von Dörnberg Forstgeld und den jedesmaligen Hauerlohn.

Die Auszügler der Bauern und Köttner erhalten nach zurückgelegtem 60. Lebensjahr:

1) wenn sie eigenen Haushalt haben, also für sich allein wohnen, pro Jahr eine Klafter Scheit- oder Prügelholz mit dem abfallenden Oberholz,

2) wenn sie mit dem Gutsübernehmer zusammen wohnen eine halbe Klafter Scheit- oder Prügelholz nebst abfallenden Oberholz gegen dieselbe Gegenleistung.

3)?Die Bauern - nicht die Köttner - erhalten alle drei Jahre an Werkholz: 3 Eichen- und 3 Tannenstämme gegen Zahlung des jedesmaligen Hauerlohnes und einer Geldabgabe von 75 ch pro Stamm.

4)?Bauern und Köttner erstatten die benötigten Achsen, Wagenwangen, Deichseln, Leiterbäume und Langwidden als Geschirrholz und zwar: den zu diesen Gegenständen dienlichen Stämmen mit dem Oberholz gegen Zahlung von 2 Albus Forstgeld und des Hauerlohnes.

5)?Die Schafhalter erhalten die nötigen Weidegerten gegen Zahlung von 29 Silbergroschen 4 ch Forstgeld pro Fuder = 20 Schock.

6) Die Bauern und Köttner sind zur Gewinnung der Streu berechtigt. Als Gegenleistung sind pro Fuder 3 Silbergroschen, 9 zu entrichten.

7)?Die Schafhalter sind zur Ausübung der Hute von Schafen in bestimmten Zeilen des Waldreviers Lingelbach berechtigt.

Die Errechnung des Geldwertes für diese Berechtigung geschah nach dem Grundsatz, dass der Wert eine jährliche Rente (Zinsertrag) eines zu 5 % ausgeliehenen Kapitals (= 100 %) darstellte. Das Ablösungskaital betrug also das Zwanzigfache der Jahresrente.

Diese wurde umständlich, aber genau ermittelt. Die für die Errechnung maßgebenden Grundsätze sind vom Verfasser in nachfolgenden Tabellen übersichtlich zusammengestellt.

Wertermittlung des Brennholzes
Gemäß dem Baumbestand des Waldes setzte sich zusammen
ein Raummeter Derbholz zugesichertes Oberholz
aus der Holzart Anteil Raummeter- demzufolge Reisig- Anteil Preis im Wert
in v. H. preis im Wert arten in v. H. 5jährigen Spalte 6x7 5jährigen Spalte 2x3 Durchschnitt

Durchschnitt

1

2

3

4

5

6

7

8

Eichenscheit 4 2,346 0,09384 Eichen- 24 0,124 0,02976
Eichenprügel 4 3,331 0,13324 Reisig
Buchenscheit 4 4,466 0,17864 Buchen- 25 0,210 0,0525
Buchenprügel 14 4,304 0,60256 Reisig
anderes
Laubholzscheit 1 3,498 0,03498 anderes 1 0,150 0,0015
Laubholzprügel 2 3,224 0,06448 Reisig
Nadelholzscheit 15 1,740 0,26100 Nadelholz- 50 0,050 * 0,025
zus.: 1 Raummeter = 100 - 2,14490 - 0,10876
hierzu Reisigwert v. Spalte 8 0,10876
zus.: Wert 1 Raummeter 2,25366 *von von Dörnbergs geschätzt
1 Reft = 2 Klafter, 1 Klafter = 5,2 Raummeter, 1 Reft = 10,4 Raummeter
1 Klafter = 5,2x2,25366 = 11,719 RM Wert 1 Reftes:
ab Wert der Gegenleistung 0,47 RM 2x11,25 = 22,50 RM Jahresrente
Klafterwert 11,25 RM Ablösungskapital = 20x22,50 =450 RM

Wertermittlung des Geschirrholzes

Anrecht Menge im Festgehalt Preis Stückwert Gegeneilstg. Wert des Reste Kapital
auf 30jährigen pro Stück zu Sp 3xSp.4 Stücks Bst. Summe je Rnrt.
Stück ?????????? Sp.3 Sp.5-Sp.6 Sp.2 % Sp.7 Sp.8 Sp.9x20

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Wagmann 0,2 7 0,35 2,45 0,19 2,26 0,452
Achsen 0,2 4,5 0,20 0,90 0,19 0.71 0,142
Leiterbäume 1,2 0,504 0,19 0,314 0,3768
Deichseln 0,1 0,484 0,19 0,294 0,0294
Langwidden 0,1 0,484 0,19 0,294 0,0294

1,0296 20,59

dazu für Oberholz 1,00

zusammen???21,59

Wertermittlung des Hutrechtes

Anzahl der Ertrag je Zentner- Wert der Wertminderung Rentenwert Kapitalwert
beweideten Acker in Preis Hute je durch in % der Hute der Huten
Acker Zentner Acker

1

2

3

4

5

6

7

8

1521,5 2,5 1,50 3,75 Schonung 33 502,09 10 041,80
= 1,25 zu verteilen
verbl. Wert 2,50 im Verhältnis
durchschnittl. 0,70 der Schafe = 1,80 verbl. Wert 0,70 Risiko ????????
Nutzungs 55
Nutzungswert = 0,37
verbl. Wert = 0,33

Wie die Pfarrdienste entstanden sein sollen

Die nachfolgende Geschichte erzählt der Ortsbeschreiber um 1850. Hinter diesem Titel verbirgt sich kein anderer als der Ortspfarrer. Ich schicke diese Vorbemerkungen voraus, um den ersten aufkeimenden Verdacht, ein Kirchenfeind wolle dem Vertreter des Christentums unchristliche Handlungen unterschieben, im Keim zu ersticken. Dem Inhalt nach berichtet er:

Lingelbach litt oft an Wassermangel. Die wenigen Brunnen reichten nicht aus oder versiegten in trockenen Sommern ganz. Alle sieben Jahre soll sogar mit einer vollkommenen Dürre zu rechnen sein.

Allein der Pfaffenborn spendete regelmäßig sein erfrischendes nass. Er löschte den Durst von Mensch und Vieh. Der Pfarrer sah deshalb in den Zeiten der Wassernot sein Grundstück von Durstigen belagert.

Da bot er der Dorfschaft den Brunnen gegen Übernahme der Feldbestellung auf dem Pfarrgut seitens der Dorfbewohner an. Die Dorfbewohner nahmen an.

So sollen sie aus Wassernot pfarrpflichtig und pfarrdienstbar , der Pfarrherr aber nicht wasserlos geworden sein.

Ob die Geschichte wahr ist? Sie könnte wahr sein; denn wann hätte sich die Kirche gescheut, aus der Not anderer Kapital zu schlagen? Das ist christlich, und das ist an der Geschichte wahr!

 

Das Lingelbacher Feuerlöschwesen im 19. Jahrhundert

Zu den vornehmsten Sorgen einer Gemeindeverwaltung gehört von jeher das Feuerlöschwesen. Das war auch in Lingelbach so. Die Beschlußprotkolle des „Gemeinderates" und des „Gemeindeausschusses" aus dem vorigen Jahrhundert lassen das starke Bemühen der Verantwortlichen um das Feuerlöschwesen erkennen. In der Satzung vom 9. 4. 1835 wurde über die notwendige Reparatur der Feuerlösch-Gerätschaften besprochen und mit dem Johann Koch ein „Akkord" abgeschlossen für die Summe von 1 Reichstaler 10 Silbergroschen.

Am 11. 3. 1852 wurde eine neue Feuerleiter „wenigstnehmend verakkordiert" und zwar dem Heinrich Appelt für die Summe von 1 Reichstaler 29 Silbergroschen verakkordiert und zugelassen.

Um diese Zeit beschafft man eine neue Feuerspritze.

Da über die Beschaffung selbst ein Beschluss nicht niedergeschrieben ist, scheint die vorgesetzte Behörde die Gemeindeverwaltung der Mühe eines entsprechenden Entschlusses enthoben und die Beschaffung angeordnet zu haben.

Dem Gemeindeausschuss blieb die Sorge der Geldbeschaffung. Unterm 10. 2. 1853 lesen wir:

„Im Gemeinderats und Ausschuss wurde beschlossen:

1). Von H. Eydt 400 Reichstaler,
2). Zehntkasse 5 Reichstaler 16 Silbergroschen 6 Heller,
3). Aus Kreditkasse 480 Reichstaler zu besorgen, um

                a) die Spritze zu bezahlen,
                b) das Spritzenhaus v. Scharf 40 Reichstaler v. 1. 7. 1853 verzinslich und Zeiselberg Vetter 40
           Reichstaler v. 29. 11. 1852 verzinslich.

Am Montag, 7. 2. 1853 hat der Auszüger Heinrich Eydt dahier der Gemeinde 200 Reichstaler - schreibe zweihundert Reichstaler - Kassel (bar) Weisung zur Anschaffung der neuen Spritze gelehnt.

Fuhrmann Kurt Dippel v. 12. Febr. 1853 sechs Reichstaler 26 Silbergroschen Fuhrlohn von der Kasse erhalten.

Dieser Fuhrlohn war dem Fuhrmann am 4. 2. 1853 durch folgendes Protokoll zugesagt:

„Wurde die Abholung der neuen Feuerspritze von Kassel auf den wenigstnehmenden verakkordiert. Der Akkordant muss sich für Chaussee-Geld und Zehrung sorgen und stehen für die Summe von 6 Reichstalern 26 Silbergroschen, dem Ackermann Kurt Dippel dahier zulassen."

Der Sommer brachte die Sorgen um das Spritzenhaus. „Am 11. 4. 1853 wurde von Heinrich Adam Dippel dahier eine Schwelle zum Spritzenhaus 21 Fuß lang vor 1 Reichstaler 5 Silbergroschen gekauft. Zugleich wurde auch in Gegenwart des Gemeinderates Eydt der Zimmermann Appelt Georg und Schwalm die Schwelle unterzuziehen und die Vorderwand und das Thorloch zu machen an den Wenigstnehmenden verakkordiert und dem Gg. Appelt vor 1 Reichstaler 12 Silbergroschen zugelassen."

„Am 22. 4. 1853 wurden die Maurerarbeiten am hiesigen Spritzenhaus an den Wenigstnehmenden verakkordiert und dem Maurer Friedrich Deisenroth dahier für 2 Reichstaler 7 Silbergroschen überlassen."

Am 1. 3. 1853 wurde die Schmiedarbeit am Spritzenhausthor verakkordiert or die Suma von 2 Reichstaler 22 Silbergroschen dem Leineweber (!) Heinrich Thamer I zugelassen als Wenigstnehmender."

Unterm 17. Dez. 1853 fügt der Bürgermeister Heerdt dem Protokoll vom 7. 2. Zweifelsohne erleichtert bei: „Das genannte Kapital mit 200 Reichstalern ist an den Heinrich Eydt abgegeben worden." Am 20. 11. 1835 beschließt der Gemeinderats gemeinsam mit dem Ausschußsogar über eine Art Fond für Feuerlöschgeräte:

. . . „daß jede Mannsperson, welche die Aufnahme als Ortsbürger oder Beisitzer in der hiesigen Gemeinde erhält, einen Thaler für Unterhaltung der Feuerlöschgerätschaften an den Gemeinde-Einnehmer zu zahlen hat".

Da - wie die folgende Abhandlung wird erkennen lassen - solche Aufnahmen selten waren, dürfte der Fond nicht sehr angewachsen sein.

Die Sorge um das Feuerlöschwesen aber wurde von den kommenden Gemeindeverwaltungen übernommen und fortgeführt. Hier soll an einen besonderen Aufsatz über die Geschichte der Lingelbacher Feuerwehr gedacht werden.

Die Einbürgerung in Lingelbach

Über die Aufnahme einer ortsfremden Person unter die Einwohner befand im vorigen Jahrhundert hier und andernorts der Gemeinderat. Die Aufnahme gewährte dem Aufgenommenen Heimrecht und verpflichtete die Gemeinde notfalls zur Fürsorge und Unterstützung des Betreffenden. Die Aufnahme wurde deshalb vorwiegend vom Einkommen des Antragstellers, aber auch vom Fleiß und Ruf abhängig gemacht.

Unterm 4. März1839 lesen wir:

„Gesuch der Margarethe Köhler vom Hof Greifenhain, Großherzogtum Hessen, welche beabsichtigt, sich mit Johannes Geißel von hier zu verheiraten und sich in hiesiger Gemeinde häuslich niederzulassen. In der heutigen Sitzung des Gemeinderates wurde sich über die Aufnahme der Margarethe Köhler aus Greifenhain bei Heidelbach aus dem Großherzogtum Hessen besprochen und wurde derselben mit Stimmenmehrheit die Aufnahme erteilt."

Am 17. 10. 1835 hatte man Joh. Becker aus Mahr die Aufnahme als Ortsbürger erteilt.

Dagegen versagte man unter dem 4. 1. 1836 einem Gg. Wind aus Ottrau durch Stimmenmehrheit die Aufnahme ohne besondere Begründung. Am 22. 2. 1836 versagte man einer Frau aus Ibra die Aufnahme.

Am 24. 1. 1852 wurde über die Erwerbsfähigkeitsbescheinigung des A. W. von hier und die Aufnahme der Barbara Sch. aus Kleba beschlossen, daß derselbe keine Familie ernähren kann und keine Erwerbsfähigkeitsbescheinigung und Aufnahme für seine Braut erhält.

Und unterm 21. 2. heißt es: „. . . daß derselbe keine Familie als Dienstknecht in hiesiger Gemeinde im Stande ist zu ernähren."

Oder unterm 8. 1. 1853: „. . . daß derselbe als Leineweber keine künftige Familie ernähren könnte, sondern durch die Verheiratung des Gg. H. (mit einer unbekannten Braut aus Schwarz) die Gemeinde bloß eine Familie zur Unterhaltung mehr bekommen würde. Am gleichen Tage versagt man mit der gleichen Begründung ein weiteres mal die Erwerbsfähigkeitsbescheinigung.

Es war also nicht leicht, Lingelbachs Ortsbürger zu werden. In der Mehrzahl der Fälle wurde die Genehmigung versagt.

Unsere Bauernhöfe

Auf Grund des Reichs-Erbhofgesetzes erhielten folgende Lingelbacher Besitzungen Erbhofcharakter:

Der Dechersche Hof,
Der Weenersche Hof,
Der Braunsche Hof,
Der Dippelsche Hof,
Der Spichersche Hof,
Der Breulsche Hof,
Der Frerersch Hof,
Der Vettersch Hof,
Der Niedsch Hof,
Der Bergsche Hof,
Der Polmsche Hof,
Der Vidusche Hof,
Der Gemmersche Hof,
Der Päwelsche Hof,
Der Warts Hof,
Der Rüffersche Hof,
Der Haardsche Hof,
Der Hollersche Hof,
Der Spuns Hof,
Der Korisses Hof,
Der Porrersche Hof,
Der Eydts Hof,
Obere Konrod,
Kasperscher Hof,

Allgemeines

Es sind größtenteils stattliche und stolze Anwesen, unsere Höfe! Da Realteilung in Lingelbach nicht die Regel war, weisen sie meist ansehnlichen Bodenbesitz auf. Die ursprünglichen Hofanlagen wurden durch Landkäufe, Abbruch und Umbau im Laufe der Jahre weit und geräumig gestaltet. Sie stellen das ursprüngliche Lingelbach dar, das nach einem Jahrhundert nicht über die durch die äußersten Höfe bestimmten Grenzen hinaus gewachsen war.

Auch in ihrem Landbesitz gehen sie mittel- oder unmittelbar auf die alten Bauerngüter zurück, auch nach der Zusammenlegung ist die uralte Flurnachbarschaft noch erkenntlich.

Auf ihnen sitzen auch die ältesten Lingelbacher Geschlechter, wenn auch fast alle Höfe einmal über eine Erbin an einen anderen Mannesstamm gingen. Die gegenwärtige Generation wird dieses Schicksal in mehreren Fällen erleben. Die folgenden Seiten geben nun in Einzelheiten die Geschichte der Höfe von 1780 an möglichst lückenlos wieder. Wo dem Verfasser Urkunden älteren Datums verfügbar standen, sind sie ausgewertet. Er möchte durch die folgenden Seiten Hofbücher nicht ersetzen, sondern zu ihrer Aufstellung anregen.

Dechersch

Der Hofname erinnert an eine Bäuerin, die Dechert gebürtig war. Die Hofstette des heutigen Hofes ist 1796 errichtet worden. Von ihr aus bewirtschaftet ihr Erbauer Joh. Georg Schäfer das Stammland des Hofes, das 1780 für Andreas Schäfer als Erbköttnergut ausgewiesen wird. Andreas Schäfer besaß damals zwei Hofstetten, deren eine auf dem besprochenen Hof lag und später abgebrochen wurde, deren andere im heutigen Appelschen Besitz zu suchen ist. Da aber nur ein Viehbestand nachgewiesen wird, ist anzunehmen, daß beide Erbköttnergüter schon unter Andreas Schäfer die Wirtschaftseinheit bilden, als die sie später geführt werden. Das Land lag, wie der gesamte Besitz auch heute, in Morgenlage. Dem Joh. Georg Schäfer folgt 1805 Joh. Henr. Lippert jun. Ihm folgt Georg Lippert, den Heinrich Lippert und Ehefrau Anna Berta geb. Hardt lt. Aufsatzvertrag vom 6. 2. 1855 ablösen.

Ihr Nachfolger ist Just. Lippert, der kinderlos war. Ihm folgt ein Verwandter: Gg. Lippert und Ehefrau geb. Noll. Sein Nachfolger ist sein Schwiegersohn aus Kirchheim, dem seit 1941 sein Sohn Georg mit seiner Ehefrau Anna geb. Schäfer (aus Spicherns Hof) gefolgt ist.

Nachkommen: ein Sohn Gerhard.

Weenersch (10,24 ha)

Seinen Namen verdankt er dem Wagnerberuf, solches war der Inhaber.

Sein Boden: Das Ursprungsland ist Erbköttnergut, das 1780 von Heinrich George, Ackermann und Wagner, bewirtschaftet wird. Auf 7 1/8 Acker hält er 2 Kühe. Das Gut schuldete dem Landesherrn und dem Ortspfarrer die Dienste und den Freiherrn von Dörnberg die 11. Garbe. Aus dem Urbestand des Gemmerschen Gutes wird eine Wiese im Gewegwasser erworben mit einer zugehörigen Huteweide. Johannes George erwirbt einen Gartenhause und abermals von Gemmer 11 Acker auf der Gormach. Ein Erwerb von Bruchland Gümbell liegt 1809 der Grund zum heute noch vorhandenen Besitz am Birkenacker. 1841 21 7/8 Acker.

Gebäude: An nützlichen Veränderungen erfuhr der Hof, der ursprünglich Scheune und Haus unter einem Dach vereinte, 1843 einen Umbau. 1862 ein Elternwohnhaus errichtet. Das Großfeuer 1883 äschert den Hof ein, der Wiederaufbau gibt dem Hof die heutige Gestalt.

Geschlechterfolge:
Heinrich Berg geb. 1941 und Ehefrau Marie geb. Lippert.
Heinrich Berg und Ehefrau geb. George
Andreas George (lt. Aufsatzvertrag vom 19 3 1861)
Heinrich George (lt. Urkunde vom 4. 3. 1835)
Johannes George (1803)
Heinrich George (1780)

Braunes (9 ha, 2 Pferche)

Seinen Namen verdankt der Hof wohl Heinrich Braun, der 1795 die Hofstette aus einer früher zum Nachbargut gehörigen Scheune gründet.

Der Boden ist 1780 als selbständige Wirtschaftseinheit nicht vorhanden. 1795 erwirbt der genannte Bauer eine Scheuer aus dem auf der damaligen Parzelle A392 vorhandenen Gebäudebestand. Braun baut die Scheune zum Haus um. 1801wird ein Schwalm, 1803 wieder ein Braun als Eigentümer nachgewiesen. Ihm folgt 1809ein Valentin Becker, der lt. Urkunde vom 11. 12. 1829 in Christoph Kargius (auch Kargos) seinen Nachfolger findet. Das erste Land erwarb Braun von Konrad Spohr, der als Erbköttner in dem heute Gg. Becker gehörigen Haus Nr. 65 wirtschaftete. Es handelt sich um 2 1/8 Acker auf der Wölmach. Bald wird auch eine Wiese im Gewegwasser erworben. 1858 wird die Hofstette um ein Wohnhaus, 1850 um Scheune und Stallung unter einem Dach erweitert.

In dieser Gestalt übernahmen 1860 Johannes Schäfer und Ehefrau Anna Katharina geb. Karpo das Anwesen. Joh. Schäfer erweitert den Besitz durch Zukauf auf 29 3/8 a. und erwirbt das heute Karl Braun gehörige Wohnhaus Nr. 73. 1883 geht das Anwesen im großen Flammenmeer auf, um in der heutigen Gestalt wieder zu erstehen.

Geschlechterfolge:
Heinr. Schäfer und Anna geb. Stein (1941) Johannes Schäfer (im Weltkrieg) und Elfriede geb. Lippert
Heinrich Christoph Schäfer und Ehefrau geb. Victor
Johannes Schäfer und Ehefrau geb. Kargis
Christoph Kargis, Valentin Euler, Heinrich Braun

Dippels

Seinen Namen verdankt er der für ihn eine Zeit lang pflügenden Sippe Dippel.

Sein Land entstammt halben Erbbauerngut, das mit dem Stammgut des heutigen Nollschen Hofes eine ursprüngliche Einheit bildete. Er gehörte der Mischlage an. 1780 umfaßte das halbe Erbbauerngut 65 Acker, Hielt 4 Zugochsen, 2 Kühe und 20 Schafe.

Baulich liegt der Hof im Siedlungskern Lingelbachs, der noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eng bebaut war. Ein ursprünglich zum Hof gehöriges Nebenwohnhaus wurde abgebrochen.

Es stand auf der anderen Wegseite, dem Hof gegenüber.

Geschlechterfolge:
Christoph Karl Schäfer und Elisabeth geb. Schäfer
Hermann Schäfer und Ehefrau geb. Lippert
Andreas Schäfer
Hermann Schäfer und Ehefrau geb. Dippel (16. 5. 1843)
Andreas Dippel und Anna Margarete geb. Ritzing
Johann Heinrich Dippel
Heinrich Adam Dippel
Heinrich Schäfer sen.
Nachkommen: 
3 Töchter. Erika geb. 1930, Lina geb. 1933 und Anna geb. 1934.

                                                        Spuns

Namen: Vermutlich von Heinrich Spohr, der an der damals kleinen Hofstette um 1800 sein Erbbauerngut bewirtschaftete.

Boden: Das Gut umfaßte 1780 50 ¼ Acker der Morgenlage und hielt 4 Ochsen, 1 Kuh und 10 Schafe.

Baulich: Hof steht im Siedlungskern. Er wurde 1850 durch Zukauf einer benachbarten Hofreide vergrößert. Sie ist heute mit einer weiteren vereinigt, zu Scheune und Stallung umgewandelt.

1880 wurde auch die alte Schule angekauft und abgebrochen. Eine Anzahl anderer Gebäude wurde gleichfalls erworben und abgebrochen. Durch diese Auflockerung und zweckmäßige An- und Neubauten wurde der Hof zu einem der geräumigsten und praktischsten des Dorfes gestaltet.

Geschlechterfolge:
Hermann Schäfer und Marie geb. Schneider
Johann Schäfer und Ehefrau geb. Berg
Hermann Schäfer und Ehefrau geb. Haardt
Joh. Heinrich Schäfer und Ehefrau geb. Schäfer
Johannes Schäfer
Heinrich Spohr
Nachkommen: 
Gisela geb. 1937, Hilde.

Pauls

Namen: Vermutlich Vornamen eines früheren Besitzers. Der Boden entstammt einem Erbbauerngut, das 1780 noch ungeteilt war. Es gehörte der Morgenlage an und umfaßte 87 Acker, hielt 4 Ochsen, 2 Kühe und 30 Schafe. Baulich sind in dem Hof seit 1846 zwei Hofstetten vereinigt, Die zum Paulschen Hof übernommene Hofstette ist 1780 Sitz des Erbköttners Urias Stein, dem nacheinander Johann Heinr. Stein, Konrad Stein, Konrad Reis, Heinrich Reis und lt. Urkunde vom 14. 8. 1850 Kurt Pilgrims Ehefrau, die wohl eine geborene Reis war, folgen. Sie erbte auch das Land.

Das erworbene Haus wurde abgebrochen und sein Baugrund als Garten mit der Paulschen Hofreide vereinigt.

Geschlechterfolge:
Wilh. Heinrich Schäfer II. und Marie geb. Lippert
Joh. Heinrich Schäfer und Ehefrau geb. Berg
Wilh. Heinrich Schäfer und Anna Katharina geb. Lippert (Ansatzvertrag vom 27. 3. 1862)
Heinrich Schäfer (Vertr. vom 3. 3. 1832)
Heinrich Schäfer jun.
Nachkommen:
Heinrich geb. 1921 (seit Stalingrad vermisst), Kaspar geb. 1922.
Größe des Hofes: 21,14 ha.

Freresch

Namen: Aus dem Vornamen Friedrich eines seiner Bauern.

Boden: 1780 als ¼ Erbbauerngut geführt, dessen ursprüngliche Zugehörigkeit schwer feststellbar ist. Der Besitz liegt vollständig in Abendlage, scheint aber aus einem der vier Güter in Mischlage hervorgegangen zu sein.

Ursprüngliche Größe 38 Acker (2 Ochsen, 10 Schafe), wird um 1800 durch Zukäufe auf 50 ½ Acker gesteigert, um nach kleinen Zu- und Abgängen 1865 noch diese Größe zu haben.

Baulich: Nach einem alten Plan zu schließen, dürfte das Wohnhaus an der gleichen Stelle gestanden haben. Der jetzige Bauer hat den Hof um eine zweite Scheune mit Stallung erweitert.

Geschlechterfolge:
Konrad Wölker und Ehefrau geb. Berg
Joh. Wölker und Ehefrau geb. Altendorf
Konr. Wölker
Friedr. Wölker und Ehefrau geb. Schwalm (Urkunde vom 20. 7. 1836)
Friedr. Wölker
Nachkommen:
Zwei Töchter. Name Wölker wird mit ihnen erlöschen.

Vettersch

Name: Vettersch nach der Sippe Vetter, heißt auch noch „im Hof". Vielleicht ein alter Lehnshof, vielleicht ursprünglich Sitz des Lehnsmannes des Grundherrn.

Der Boden entstammt ½ Bauerngut in Morgenlage, das ursprünglich mit dem heute noch flurbenachbarten, früher auch gebäudebenachbarten Kasperschen Hof eine Einheit bildete.

1780 umfasst das Gut 123 Acker, hielt 4 Zugochsen, 2 Kühe und 30 Schafe.

Es gelangt kurz nach Beginn des 19. Jahrhunderts aus dem Besitz der Sippe Klippert an die Glänzer, die es allerdings schon im zweiten Erbfall über eine Tochter an die Vetters weitergibt. Den Vetters folgen durch Einheirat die Krugs. Da der Krieg den Anerben Heinrich nahm, bleibt wieder nur eine Erbin. Es wird also abermals eine neue Familie einheiraten.

Der Boden ist durch die Jahrhunderte ziemlich unvermindert nach Lage und Größe erhalten geblieben.

Baulich wurde der Hof nach einer Einäscherung geräumig wieder erstellt.

Geschlechterfolge: 
Joh. Jost Klippert. 1790: Sebastian Klippert Sebastian Glänzer, Joh. Jost Glänzer (1822)
Valentin Vetter und Ehefrau Elisabeth geb. Glänzer (5. 3. 1844)
Justus Vetter und Ehefrau geb. Noll
Georg Krug und Ehefrau Anna geb. Vetter
Joh. Krug und Ehefrau Anna geb. Vetter
Nachkommen: 
Ludwig geb. 1924, Heinrich geb. 1925 gest. 1943

Nolles

Namen: Der Name ist mit den Bauern zum Hof gewandert.

Boden: Das Stammland des heutigen Erbhofes wird 1780 als Erbbauerngut vom späteren Schulhaus aus bewirtschaftet und gehört einem G. A. Noll. Dieses Gut bildete ursprünglich eine Einheit mit dem Stammland des heutigen Dippelschen Hofes und lag in der Mischlage.

Die Gebäude der heutigen Hofstette dienten ursprünglich einem Erbköttnergut, das mit 52 ½ Acker, 2 Ochsen, 1Kuh in seinem Land- und Viehbesitz beschrieben wird und Joh. Heinr. Schäfer zum Eigentümer hat. Dessen Sohn Konrad vertauscht 1794 die Hofreide mit der eingangs erwähnten. Auf dieser war inzwischen Joh. Heinr. Schmidt dem besagten Noll gefolgt. Die zu den Häusern gehörenden Gärten blieben bei den Häusern.

Geschlechterfolge:
Auf der zur Betrachtung stehenden Hofstette folgten sich:
Joh. Heinrich Schmidt,
Paul Schmidt (1816), Paul Schmidt (1855),
Konrad Schmidt und Ehefrau geb. Rüffer, dann durch Kauf:
Ludwig Schäfer, Andreas Sohn und Ehefrau Annemarie geb. Kahl,
Andreas K. Schäfer und Margarete geb. Lormann.

Der Hof wurde wiederholt von Feuersbrünsten befallen und hat infolge dessen mehrfache Umplazierung der Gebäude erfahren. Die letzte Gestalt nahm er 1940 an, nachdem der Blitz am 22. 8. 1939 die Scheune eingeäschert hatte.

Nachkommen: Annemarie geb. 1926.

Bergs

In seinem Namen lebt die im Mannesstamm erloschene Sippe Berg fort, die ihn besaß.

Sein Boden ist Erbbauernland, das 1780 noch als 1/1-Bauerngut geführt wird und rund 125 Acker umfasst. Das Land hat Abendlage. 1780 wurden 4 Ochsen, 3 Kühe und 50 Schafe gehalten.

Baulich hat der Hof im Laufe der Jahre Änderungen erfahren, die ihn geschlossener gestalteten. Ein zur Hofreide gehörendes Mischhaus lässt die Zuordnung zum Hof als Kate, als Landarbeiter-Wohnhaus ahnen.

Geschlechterfolge:
Heinrich Schäfer und Ehefrau geb. Hobel
Kaspar Schäfer, gefallen im Weltkrieg und Ehefrau geb. Berg, in 2. Ehe mit des ersten Mannes
Bruder Karl verheiratet.
Berg, Joh. Heinrich und Ehefrau geb. Stein
Berg, Kaspar und Ehefrau geb. Dörr
Berg, Heinrich
Berg, Joh. Heinrich
Nachkommen: 
zwei Knaben.

Petersch

Der Hof nennt sich nach der Sippe der Bäuerin, den Peter.

Der Landbesitz hat seinen Ursprung in ¼ Erbbauerngut, das von einem im heutigen Ritterschen Gebäudebesitz (Stuns) aufgegangenen Hofreide aus bewirtschaftet wurde. Es umfaßte 43 Acker und lag im Abendbogen, dürfte aber aus einem der in Mischlage liegenden Güter entstanden sein. Um 1800 wechselt Sippe Peter die Hofstette und gelangt in die besprochene Hofreide. 1780 hielt man 4 Ochsen, 1 Kuh und 10 Schafe.

Baulich geht die Hofreide aus einem anderen ¼ Bauerngut hervor, das 1780 dem Bauern Gümbell gehört. Dieser Landbesitz von 42 Acker geht um 1800 an Paul Schmidt und wird später parzelliert verkauft.

Geschlechterfolge:
Johannes Hebel und Ehefrau geb. Peter
Heinrich Peter und Anna Barb. geb. Vietor
Heinrich Peter
Johannes Peter
Andreas Peter
Nachkommen: 
August Hebel.

Viedusch

Im Hofnamen lebt die Sippe einer Bäuerin weiter. Es konnte lediglich ermittelt werden, daß von der heutigen Hofstette aus 1780 ein ¼ Erbbauerngut bewirtschaftet wurde, das damals Konrad Euler gehörte. Der Besitz wechselt oft den Besitzer und ist um 1860 Eigentum eine Woll. Ob Woll ein Ahn das jetzigen Bauern Schäfer ist, ist nicht ersichtlich. Fortschreiber-Vermerke nach Woll liegen nicht vor.

Gemmersch

Es ist nicht der einzige Hof, der nach seinem jetzigen Bauern benannt ist. Sein Boden entstammt einem Erbköttnerhaus, das 64 Acker im Jahre 1780 umfaßte, 2Ochsen und 1 Kuh hielt.

Baulich leidet der Hof unter räumlicher Engeseiner Anlage. Durch den Bau einer zweiten Scheune wurde der Nachteil ausgeglichen.

Geschlechterfolge:
Heinr. Gemmer und Anna Martha geb. Orth
Heinr. Gemmer und Anna Kath. geb. Lippert und Gertrude geb. Schmidt
Wilhelm Gemmer und Ehefrau Anna Rosine geb. Riffer
Heinrich Gemmer
Johannes Gemmer
Nachkommen: 
Heinrich, Elise, Johannes
Gegenwärtiger Bestand: 10,82 ha.

Päwels

Der Name ist nicht zu erklären. Nach dem Dorfbrauch dürfte in ihm eine frühere Sippe fortleben.

Der Boden entstammt einem Köttnergut, 1780 umfaßte es 61 Acker und beherbergte 4 Ochsen, 2 Kühe und

30 Schafe.

Baulich erfuhr der Hof 1860 eine Neugestaltung, die seiner heutigen Anlage entspricht.

Geschlechterfolge:
Hermann Schneider und Ehefrau Kath. geb. Becker
Konrad Lippert
Andreas Lippert und Ehefrau Anna Kath. geb. Riffer
Kurt Lippert und Ehefrau geb. Lippert
Andreas Lippert
Johannes Lippert
Paul Lippert
Nachkommen:
ein Sohn, eine Tochter

Der letzte Eigentumsübergang erfolgte durch Kauf. Der Bauer hatte zur Einrichtung des Truppenübungsplatzes Schwarzenborn seinen Besitz in Friedigerode an das Reich abgegeben und sich hier angekauft.

                                              Weerts

Der Name kommt von dem nebenberuflich ausgeübten Gastwirtsgewerbe.

Das Stammhaus Nr. 13 ist abgebrochen worden. Von ihm aus bewirtschaftete 1780 Heinr. Orthwein ein Erbköttnergut. Ihm folgte Joh. Konrad Schenk, der lt. Kauf-Kontrakt vom 15.4.1818 an Joh. Geißel veräußert. 1829 ist Heinrich Lippert kraft Vertrag vom 23.5.1828 Eigentümer. Dann erwirbt Christ. Riffert den Besitz. Inzwischen hat Christ. Lippert 1804 ein benachbartes Haus von einem H. Kaufmann erworben. Ein Justus Lippert wird 1859 der Eigentümer des vormals Orthweinschen Hauses genannt, das er von seinem Schwiegervater Chr. Riffert erhält. Er erwirbt ein Erbköttnergut, das die Grundlage des jetzigen Besitzes bildet.

Riffersch

Der Hof trägt seinen Namen der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts den Boden bebauenden Sippe Riffer.

Die Sippe Riffer bewirtschaftet das Ursprungsland des heutigen Hofes von einer heute nicht mehr vorhandenen Hofstette aus. Auf der heutigen Hofstette saß 1780 Christoph Ritter als Inhaber eines halb Lehens- und halb Erbbauerngutes. Ihm folgt 1796 Friedr. Ritter, wohl der Sohn, dem abermals ein Christoph folgt. Durch Urkunde vom 12. 3. 1834 werden Heinrich Riffer und Frau Eigentümer. Dieser Riffer stammt von der schon erwähnten Hofstette, die im Spuhrschen Hof aufgegangen ist. Hier wirtschaftete 1780 Heinr. Rüffert, Ackermann und Schmied, auf ¼ Bauerngut. Ihm folgte 1802 Werner Rüffert, den 1827 Heinrich Riffert ablöst. Das von der besprochenen Hofstette aus bewirtschaftete ½ Lehensgut gab Ritter 1836 ab. Sein Erbbauernland geht parzelliert an verschiedene Eigentümer.

Das Wohnhaus wird von Heinrich Riffert und Ehefrau Marie Elisabeth geb. Geißel bezogen. Sie bewirtschaften nunmehr von hier aus den Riffertschen Besitz.

Ihnen folgen lt. Ansatzvertrag vom 2. 12. 1852 Johannes und Frau Greta geb. Stein. Von nun an wird der Hof in der weiblichen Linie vererbt. Es folgen Heinrich Lippert und Ehefrau geb. Riffer, die an ihre Tochter, die Ehefrau des Kaspar Haardt im Jahre 1909 auflassen. Durch Heirat der einzigen Tochter der Eheleute Haardt, Lieschen, wird Heinrich Schneider aus Kirchheim, Kr. Hersfeld, Bauer.

1780 umfaßte das Riffertsche Stammgut 57 1/3 Acker, an Vieh wurden 2 Ochsen, 2 Kühe und 20 Schafe gehalten.

1790 erfolgt ein Eigentumsübergang von Jakob Nohr, der einem 1780 in der späteren Schule sitzenden Konrad Orthwein gefolgt war. Der Riffertsche Besitz vergrößerte sich wesentlich. 1858 hinterließ Johannes Riffert 86 ½ Acker. Das entspricht dem heutigen Bestand, der mit 21,37 ha außer der Hofstette nachgewiesen wird.

Baulich fügt Schneider 1937/38 dem Hof eine moderne Scheune hinzu.

Geschlechterfolge:
Heinr. Schneider und Lieschen geb. Haardt
Kaspar Haardt und Ehefrau geb. Lippert
Heinr. Lippert und Ehefrau geb. Riffer
Johannes Riffer und Ehefrau Anna Greta geb. Stein
Werner Riffert
Heinrich Rüffert
Nachkommen: zwei Töchter.

Heerdts

Der Hof nennt sich nach den gegenwärtigen Bauern.

Der Boden ist seit 1780 in der männlichen Erbfolge. 1780 umfasst das Erbköttnergut 47 3/8 Acker und hat neben 2 Ochsen 1 Kuh und 20 Schafe. Es „zehntet" an die von Dörnberg, ist wie seinesgleichen denen von Dörnberg handfron-, dem Pfarrer und Landesherrn auch spanndienstpflichtig.

Seinem Wirt Johannes folgt Kaspar, dessen Sohn Joh. Josef 1822 als Bauer und übergibt 1850 an Kaspar Heerdt und Ehefrau Elise Kath. geb. Schwalm. Sie vergrößern das Gut auf das Doppelte. Er erwirbt hauptsächlich denjenigen Bestand, der die Grundlage des Besitzes auf der obersten „Romanei" bildet.

Er übergibt seinem Nachfolger 100 Acker.

Sein Nachfolger ist Heinrich Haardt, dem der derzeitige Bauer Friedrich folgte.

Baulich erfuhr der Hof eine große Umgestaltung im Jahre 1852, dem schon 1864 eine auch durch Bodenerwerb bedingte Erweiterung folgte. Die Scheune erhielt zwei Tennen.

Im Jahre 1883 fällt der Hof dem großen Brand zum Opfer. Blitzschlag äscherte im zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts (vor dem ersten Weltkrieg) die Scheune abermals ein.

Geschlechterfolge: 
Friedrich Heerdt und Ehefrau geb. Lippert
Heinrich Heerdt und Ehefrau
Kaspar Heerdt und Ehefrau geb. Schwalm
Joh. Jost Heerdt
Kaspar Heerdt
Joh. Heerdt
Nachkommen:
Heinrich, Wilhelm (gefallen in Russland), drei Töchter

Holles

Der Name dürfte den Familiennamen Harle eines früheren Eigentümers ungenau wiedergeben.

Der Boden entstammt einem ¼ Erbbauerngut. Es ist schwer festzustellen, mit welchen anderen Gütern es die nicht geschlossene Einheit bildete. Nach der überkommenen Nachbarlage der Felder dürfte aber der heutige Spuhnsche Hof demselben Stammgut entsprungen sein.

Der Hof gehört noch heute fast nur der Morgenlage an. 1780 umfaßte er 50 Acker, wurde aber in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf 19 ha vergrößert und ist heute einer unserer größten Höfe. 1780 hielt man 2 Ochsen, 1 Kuh, 7 Schafe.

Die bauliche Erweiterung spiegelt sich in folgenden Daten wieder: Das ursprüngliche Gehöft, das lt. Karte nur zwei bebaute Seiten aufweist, wird um 1850 verändert. 1850 werden genannt: Wohnhaus mit Scheune und Stallung, Elternwohnhaus mit Stall und Schweinestall. Diesen Bestand legt der große Brand von 1883 in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau gibt dem Hof im wesentlichen seine heutige stolze Gestalt.

Geschlechterfolge: 
Konr. Stein und Elise geb. Schwalm, Kurt Stein und Ehefrau geb. Lippert
Joh. Konr. Lippert (Urkunde vom 11.11.1862)
Heinr. Lippert, Georg Lippert (Urkunde vom 18.2.1834)
Joh. Lippert (1780), Joh. Heinr. Lippert (1795)
Hans Heinr. Harle
Nachkommen:
Karl, Anna (auf Braunes Hof eingeheiratet) und Elisabeth

Steens

Hofname ist der Name der Sippe Stein.

Der Boden entstammt einem ungeteilten Erbbauerngut in Abendlage. 1780 zählte es 85 ½ Acker und hielt 4 Ochsen,

2 Kühe und 40 Schafe.

Die Geräumigkeit des Hofes war ursprünglich schon beachtlich, wurde aber planmäßig gefördert durch Ankauf benachbarter Gebäude, die teilweise abgebrochen wurden. In der heutigen Form erstanden die Wirtschaftsgebäude nach einem Brand vor ungefähr einem Menschenalter.

Geschlechterfolge:
Heinr. Ritter und Elise geb. Stein
Wilh. Stein und Ehefrau geb. Schäfer
Kaspar Stein und Ehefrau geb. Bamberg
Heinrich Stein (lt. Urkunde vom 29.7.1825)
Kaspar Stein
Konrad Stein
Nachkommen:
Kurt und Heinrich

Korisses

Seinen Namen trägt der Hof noch den Familiennamen eines Ahnenstammes seines jetzigen Bauern Noll, der bald Karjius, bald Karges geschrieben wurde.

Nach seinem Landbestand geht der Hof auf ein Erbköttnergut zurück, das 1780 vom heutigen Haus Nr. 11 bewirtschaftet wurde. Der damalige Erbköttner Nikolaus Karjius übergibt 1793 an Abel K., dem 1822 Peter Karges folgt. Am 20. 4. 1853 übergibt Peter an seine Tochter Elisabeth und deren Ehemann Johannes Noll.

Unter Abel K. ist der Wechsel der Gebäude eingetreten. Er ist aus dem nicht mehr vorhandenen Haus Nr. 2 gezogen, das dort stand, wo heute die Wirtschaftsgebäude stehen. Zur Hofstette kommt dann durch Kauf das heutige Wohnhaus. 1865 erfolgt ein Umbau. Die Bauern bewirtschafteten an der neuen Hofstette das väterliche Land, das von 1780 bis 1865 von 25 1/8 auf 30 3/8 Acker vergrößert wurde.

Geschlechterfolge:
Joh. Noll und Ehefrau geb. Nuhn
Joh. Noll und Ehefrau
Heinr. Peter Noll und Ehefrau geb. Eydt
Joh. Noll und Ehefrau geb. Karjius
Peter Karges
Abel Karjis
Nikolaus Karges
Nachkommen: 
zwei Jungen

Perrersch

Name: Vornamen Peter, der in der Sippe Schmidt früher häufig war.

Landbesitz: Boden entstammt einem ½ Erbbauerngut, das ursprünglich mit dem Eydtschen Stammland ein 1/1 Erbbauerngut der Morgenlage bildete. Blut und Boden sind hier seit Jahrhunderten verbunden. Bedauerlicherweise ist dem jetzigen Ehepaar nur eine Tochter, Anna geb. 1926, beschieden. 1780 wurden 62 ½ Acker, 4 Ochsen, 1 Kuh und 10 Schafe als bestand aufgeführt. Heute umfasst der Hof 13,70 ha = 55 Acker.

An baulichen Veränderungen sind zu nennen: Der lt. Urkunde vom 17.6.1831 erfolgte Zukauf des heutigen Nebenwohnhauses, das ursprünglich einem Erbköttnergut angehörte. 1843 wurden ein einfaches Wohnhaus mit Scheune und Stallung und ein Nebenwohnhaus genannt. 1814 wurde ein Hinterbau an die Scheune errichtet.

Geschlechterfolge:
August Schmidt und Elise geb. Vetter
Peter Schmidt und Ehefrau geb. Heier
Joh. Heinr. Schmidt und Anna Kath. geb. Lampersbach (22.4.1856)
Peter Schmidt und Anna M. geb. Haardt (10.9.1826)
Georg Schmidt und Anna Maria geb. Ritter (1797)
Peter Schmidt und Ehefrau geb. Eisenach (1775)
Johann Georg Schmidt (1746)
Nachkommen: 
Anna geb. 1926

Eydts

Sein Name ist der Name früherer Eigentümer.

Der Landbesitz wird 1780 als ½ Erbbauerngut geführt, das nicht mit dem Perrerschen Hof vereinigt war. 1780 ist Joh. Heinr. Lippert Eigentümer, dem Paul Lippert folgte. Da der nunmehr folgende Eigentumsübergang den gesamten Bestand betrifft, darf angenommen werden, daß der neue Eigentümer Joh. Heinr. Eydt ein Schwiegersohn Lipperts ist. Er übergibt lt. Urkunde vom 26.6.1832 an Paul Eydt. Zu der Zeit findet eine Verbesserung der Gebäude statt.

Laut testamentarischer Bestimmung übernehmen Heinrich Stein und Anna Gela geb. Eydt 1862 den Hof, der an Gebäuden nunmehr ein Wohnhaus mit Stallung und Scheune, Pottaschensiede und Schweinestall umfasst. Ihnen folgen Paul Stein und Ehefrau geb. Boß, die an ihren Sohn Joh. Georg auflassen.

Geschlechterfolge:
Joh. Georg Stein und Elise Schäfer
Paul Stein und Ehefrau geb. Boß
Heinrich Stein und Anna Gela geb. Eydt
Paul Eydt
Joh. Heinr. Eydt
Paul Lippert
Joh. Georg Lippert (jun.)und Elise geb. Schäfer
Nachkommen:
Anna geb. 1922, Elisabeth geb. 1923

Kaspersch

Der Name ist der Vorname früherer Besitzer.

Das Stammgut wird ursprünglich vom Haus Nr. 30 bewirtschaftet und als ½ Erbbauerngut nachgewiesen. Die ursprüngliche Einheit umfaßte einst das Stammland des Vetterscgen Hofes mit. Beide zusammen bilden eines der vier Güter in Morgenlage, 1780 bewirtschaftet von Kaspar Ritter (neben dem ½ Erbbauerngut noch ½ Lehensgut). Er hält 4 Ochsen, 2 Kühe und 40 Schafe.

Die heutige Hofstelle besitzt seit 1780 Heinrich Lippert sen. Und hält auf 66 10/16 Acker 4 Ochsen 2 Kühe und 20 Schafe. Das irrtümlich der vorigen Hofstelle zugeschriebene ½ Lehensgut wird von dieser Hofstelle mit bewirtschaftet.

Auf dem Ritterschen Besitz folgt 1795 Hans Klaus Schwalm, dem nacheinander Konr. Schwalm und Heinr. Schwalm folgen. Heinrich Lippert folgten Konr. Und Johannes Lippert. 1843 unterm 14.11. wird an Kasp. Schwalm II., Konrads Sohn, und Ehefrau A. M. geb. Lippert übergeben.

Durch Ansatzvertrag vom 18.12.1860 wird Johannes Schwalm Eigentümer. Johann Schwalms Nachfolger wird Karl Schwalm, ein Sproß des anderen Hofes. Ihm folgen sein Sohn Heinrich und Ehefrau geb. Stein.

Die Hofstelle wird geziert durch ein prächtiges Wohnhaus, das durch Balkensetzung, Schnitzwerk und Verzierungen wohl das schönste des Dorfes ist.

Nachkommen: Karl (gefallen 1943 im Osten ) und Heinrich.

Die drei Konröder Höfe

Alle drei Höfe bewirtschafteten 1780 so genanntes Erbland. Auf Mittel- und Unterkonrode wurde je eine Mühle betrieben, die an anderer Stelle ausführlich beschrieben sind.

Für Oberkonrode werden ab 1780 folgende Geschlechter genannt:

(Die Schaeffer sind die Ahnen des Dichters Fr. W. Schäfer)
Joh. Schaeffer
Peter Schaeffer (1802)
Heinr. Schaeffer (1836)
Bente Quehl et unor geb. Schäfer
Joh. Peter Quehl et unor Eva Elisab. Gemmer (1845)
Konr. Daum et. unor geb. Schmerer (1862)

Für Mittelkonrode ergibt sich folgende Geschlechtertafel:

Andreas Dippel (1780)
Conrad Dipppel (1795)
Georg Dippel (1833)
Jonas Dippel und Ehefrau Anna Barb. geb. Schwalm (1862)

Für Unterkonrode ergibt sich folgende Geschlechtertafel:

Joh. Dippel (1780)
Heinr. Adam Dippel
Melchior Geißel (1816)
Joh. Dippel (6. 6. 1832)
Ludwig Dippel und Ehefrau Friedericke geb. Fiedler
Karl Thonn (12. 4. 1839)

Die Chronik zum Download